Bildungsgutschein als Arbeitsloser nutzen: So klappt es
Als Arbeitsloser hast du einen der besten Zugänge zum Bildungsgutschein – doch nur wer das Gespräch richtig vorbereitet und die Spielregeln kennt, bekommt ihn auch. Dieser Artikel zeigt dir, wie du vorgehst.
Was der Bildungsgutschein für Arbeitslose bedeutet
Der Bildungsgutschein (BGS) nach § 81 SGB III ist das zentrale Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit. Er finanziert berufliche Weiterbildungen bis zu 100 % der Kurskosten – Kursgebühren, Prüfungsgebühren, Lernmittel, und in vielen Fällen auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung.
Als Arbeitsloser – ob ALG-I-Empfänger oder Bürgergeld-Bezieher – bist du die Kernzielgruppe des Bildungsgutscheins. Das heißt: Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Beratung und eine realistische Chance auf Bewilligung, sofern die Weiterbildung deine Wiedereingliederungschancen nachweislich verbessert.
Anspruch auf einen Bildungsgutschein hast du, wenn:
- Du arbeitslos gemeldet bist oder eine Kündigung vorliegt
- Du ALG I, Bürgergeld (ALG II) oder Übergangsgeld beziehst
- Die geplante Weiterbildung deine Vermittlungschancen verbessert
- Der Kurs bei einem AZAV-zertifizierten Anbieter stattfindet
- Der Kurs als Bildungsmaßnahme zugelassen ist (Maßnahmezulassung)
Die beste Erfolgsstrategie beim BGS-Antrag
Wer vorbereitet ins Gespräch geht, hat deutlich bessere Chancen. Arbeitsvermittlerinnen haben Ermessensspielraum – und ein gut vorbereiteter Antrag signalisiert Ernsthaftigkeit und Eigeninitiative.
Falls der erste Antrag abgelehnt wird: Du hast das Recht auf einen schriftlichen Ablehnungsbescheid und kannst innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Oft hilft auch ein erneutes Gespräch mit einem angepassten Kursvorschlag.
Was ALG-Empfänger beim Bildungsgutschein besonders beachten müssen
Als ALG-I- oder Bürgergeld-Empfänger gelten besondere Regeln, die du kennen solltest, um keine bösen Überraschungen zu erleben:
| Thema | Regelung für ALG-Empfänger | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
| ALG während der Weiterbildung | Läuft in der Regel weiter | Muss vorab mit Vermittlerin abgestimmt sein |
| Weiterbildungsgeld (§ 87 SGB III) | +2 € pro Tag Bonus auf ALG I | Gilt für geförderte Weiterbildungen |
| AVGS als Alternative zum BGS | Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für kürzere Maßnahmen | Für Kurse bis 6 Wochen geeignet |
| Anwesenheitspflicht | Volle Teilnahme am Kurs Pflicht | Fehlzeiten können zur Rückforderung führen |
| Bewerbungspflicht | Entfällt während laufender Weiterbildung | Nach Kursende sofort wieder aktiv werden |
| Kinderbetreuungskosten | Übernahme möglich nach § 83 SGB III | Separat beantragen! |
Bürgergeld-Empfänger beantragen den BGS beim Jobcenter, ALG-I-Empfänger bei der Agentur für Arbeit. Die grundlegenden Spielregeln sind identisch, aber die Zuständigkeit macht einen Unterschied bei der Ansprechperson.
Schritt für Schritt: Von der Vorbereitung bis zum Kursstart
Der Weg zum Bildungsgutschein lässt sich in drei Phasen unterteilen:
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Praxisbeispiel: Michael, 41, Bürokaufmann
Michael, 41 Jahre, Bürokaufmann, verliert nach 12 Jahren seinen Job durch eine Betriebsschließung. Er bezieht ALG I und möchte sich zum Buchhalter / Bilanzbuchhalter weiterbilden.
Sein Vorgehen:
- Michael recherchiert auf Careertune und findet drei AZAV-zertifizierte Buchhalter-Kurse – zwei in Präsenz, einen online.
- Er druckt Stellenanzeigen für Buchhalter in seiner Region aus und notiert die Gehaltsspannen.
- Im Beratungsgespräch erklärt er den logischen Zusammenhang: seine kaufmännische Ausbildung als Basis, die Buchhaltungs-Weiterbildung als Aufstieg.
- Die Vermittlerin bewilligt den BGS für einen 9-monatigen Online-Kurs (Kosten: 4.800 €).
- Michael löst den BGS beim Anbieter ein. Sein ALG I läuft weiter, er erhält zusätzlich +2 € Weiterbildungsgeld pro Tag.
- Nach 9 Monaten hat er den IHK-Abschluss als Buchhalter und findet innerhalb von 6 Wochen eine neue Stelle.
Ergebnis: Kurskosten: 0 € | ALG I weitergezahlt | Neues Gehalt: +18 % gegenüber alter Stelle
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Diese Fehler begegnen uns immer wieder – und lassen sich alle leicht vermeiden:
So machst du es richtig
- Kurs vor dem Gespräch recherchieren
- AZAV-Zertifizierung des Anbieters prüfen
- BGS VOR Kursbeginn einlösen
- Stellenanzeigen als Belege mitbringen
- Kinderbetreuungskosten separat beantragen
- Bei Ablehnung Widerspruch einlegen
- Anwesenheitspflicht ernst nehmen
Typische Fehler
- Unvorbereitet ins Gespräch gehen
- Nicht-AZAV-Kurse vorschlagen
- Kurs starten ohne BGS in der Hand
- Kein konkretes Berufsziel benennen
- Zusatzleistungen nicht beantragen
- Ablehnung widerspruchslos akzeptieren
- Fehlzeiten im Kurs ignorieren
Weitere Infos zum Beantragen: Bildungsgutschein beantragen – die komplette Anleitung. Alle Finanzierungsmöglichkeiten im Überblick: Finanzierungsmöglichkeiten für Weiterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Wer bekommt den Bildungsgutschein als Arbeitsloser?
Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen, die ALG I oder Bürgergeld beziehen, haben Anspruch auf Beratung und können einen BGS beantragen, wenn die Weiterbildung die Vermittlungschancen verbessert und der Kurs AZAV-zertifiziert ist.
Läuft das Arbeitslosengeld während der Weiterbildung weiter?
Ja. Bei einer mit dem BGS geförderten Weiterbildung läuft das ALG I in der Regel unverändert weiter. Zusätzlich gibt es das Weiterbildungsgeld von +2 € pro Tag als Bonus.
Was ist der AVGS und worin unterscheidet er sich vom BGS?
Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS, § 45 SGB III) finanziert kürzere Aktivierungs- und Orientierungsmaßnahmen. Der Bildungsgutschein (BGS, § 81 SGB III) finanziert längere Qualifizierungsmaßnahmen. Beide können kombiniert werden.
Kann der BGS nachträglich beantragt werden?
Nein. Der Bildungsgutschein muss vor Kursbeginn ausgestellt und eingelöst werden. Eine rückwirkende Förderung ist gesetzlich ausgeschlossen.
Was passiert bei einer Ablehnung?
Du erhältst einen schriftlichen Bescheid. Innerhalb eines Monats kannst du Widerspruch einlegen. Alternativ kannst du das Gespräch mit einem anderen oder angepassten Kursvorschlag neu starten.
Wie lange ist der Bildungsgutschein gültig?
In der Regel 3 Monate. In dieser Zeit muss der Kurs begonnen werden. Eine Verlängerung ist in begründeten Ausnahmefällen möglich.
Werden Kinderbetreuungskosten übernommen?
Ja, nach § 83 SGB III können Kinderbetreuungskosten während einer geförderten Weiterbildung übernommen werden. Sie müssen jedoch separat beantragt werden.
Wie finde ich AZAV-zertifizierte Kurse?
In der KURSNET-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit oder auf Careertune, das AZAV-Kurse übersichtlich nach Berufsfeld, Format und Region filtert.
Was bedeutet AZAV-Zertifizierung?
AZAV steht für Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Nur Anbieter und Kurse mit dieser Zertifizierung sind für die Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit zugelassen.
Kann ich den Kurs auch online absolvieren?
Ja. Online-Kurse sind seit 2020 vollständig förderfähig, sofern der Anbieter AZAV-zertifiziert ist und der Kurs eine Maßnahmezulassung hat.
Wie hilft Careertune beim BGS-Antrag?
Careertune listet AZAV-zertifizierte Kurse und ermöglicht einen strukturierten Vergleich. So gehst du mit konkreten Vorschlägen ins Beratungsgespräch – das erhöht die Bewilligungschancen deutlich.
Was ist das Weiterbildungsgeld?
Das Weiterbildungsgeld nach § 87 SGB III ist ein Bonus von 2 € pro Tag, den ALG-I-Empfänger zusätzlich zum Arbeitslosengeld erhalten, während sie eine geförderte Weiterbildung absolvieren.
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