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Umschulung

Umschulung bei Arbeitslosigkeit: So finanzierst du sie vollständig

Eine Umschulung kann dein Neustart sein – und das Beste: Als Arbeitsloser kannst du sie vollständig staatlich finanziert absolvieren. Hier erfährst du, wie die Finanzierung funktioniert, worauf du bei der Trägerauswahl achtest und wie du in 8 Schritten startest.

Vollfinanzierung der Umschulung: Was ist möglich?

bis 2 Jahre
BGS-Förderung für Umschulungen nach § 81 SGB III
ALG I
Läuft während der gesamten Umschulung weiter
+2 €/Tag
Weiterbildungsgeld als Bonus on top
0 €
Eigenanteil bei genehmigtem BGS
Schlüsselfakt Eine vollständige Umschulung kostet dich 0 €, wenn der Bildungsgutschein (BGS) bewilligt wird. Kurskosten, Prüfungsgebühren, Lernmittel, Fahrtkosten und Kinderbetreuung werden vollständig übernommen.

Eine Umschulung unterscheidet sich von einer einfachen Weiterbildung dadurch, dass sie zu einem anerkannten Berufsabschluss führt (z.B. IHK- oder HWK-Abschluss) und damit einen vollständigen Berufswechsel ermöglicht. Sie dauert in der Regel 2 Jahre – und wird in dieser Zeit vollständig durch den BGS finanziert.

Vorteil für Arbeitslose: Im Gegensatz zu Beschäftigten, die eine Umschulung aus eigener Tasche oder über den Arbeitgeber finanzieren müssen, hast du als Arbeitsloser Zugang zur Vollfinanzierung über die Agentur für Arbeit.

Finanzierungsquellen im Überblick

FinanzierungsquelleLeistung bei der UmschulungVoraussetzung
Bildungsgutschein (BGS)100 % der Kurskosten, Prüfungsgebühren, LernmittelArbeitslos, AZAV-Anbieter, Maßnahmezulassung
Arbeitslosengeld ILäuft unverändert weiter während der MaßnahmeALG-I-Berechtigung vorhanden
Weiterbildungsgeld § 87+2 € pro Werktag on top zum ALG IALG-I-Bezug + BGS-Maßnahme
Fahrtkosten § 83Kilometerpauschale oder ÖPNV-TicketWeiterbildungsort nicht am Wohnort
Kinderbetreuungskosten § 83Übernahme notwendiger BetreuungskostenKinder unter 15 J., kein anderer Betreuungsweg
Bürgergeld (SGB II)Wie ALG I – Regelleistung läuft weiterBürgergeld-Bezug, Jobcenter-Zuständigkeit
Wichtig: Diese Leistungen müssen oft aktiv eingefordert werden. Frage im Beratungsgespräch explizit: „Welche Zusatzleistungen kann ich neben dem BGS noch beantragen?" Viele Vermittlerinnen informieren nicht automatisch über alle Möglichkeiten.

8 Schritte: Von arbeitslos zur vollfinanzierten Umschulung

1
Zielberuf wählen: Entscheide, in welchen Beruf du wechseln möchtest. Berücksichtige Arbeitsmarktperspektiven, persönliche Interessen und die Realisierbarkeit. IT, Gesundheit, Logistik und Verwaltung sind aktuell besonders gefragt.
2
AZAV-Umschulungsanbieter recherchieren: Suche auf KURSNET oder Careertune nach zugelassenen Umschulungsanbietern in deinem Berufsfeld. Achte auf aktuelle Maßnahmezulassung.
3
Anbieter vergleichen: Prüfe Qualität, Prüfungserfolgsquoten, Bewertungen, Kursinhalte und Format (Präsenz, Online, Hybrid). Mindestens 2–3 Anbieter vergleichen.
4
Stellenanzeigen sammeln: Drucke aktuelle Stellenanzeigen für deinen Zielberuf aus. Das belegt die Arbeitsmarktrelevanz und überzeugt die Vermittlerin.
5
Beratungsgespräch bei der Agentur: Präsentiere deine Rechercheergebnisse, erkläre dein Berufsziel und beantrage den BGS. Frage nach allen Zusatzleistungen.
6
BGS beim Anbieter einlösen: Nach Bewilligung den BGS beim gewählten Anbieter einlösen. Der Anbieter rechnet direkt mit der Agentur ab.
7
Umschulung absolvieren: Vollzeit (25–35 h/Woche) an der Maßnahme teilnehmen. Anwesenheitspflicht beachten – Fehlzeiten können zur Rückforderung führen.
8
Abschluss und Wiedereinstieg: Prüfung ablegen, Abschluss erhalten, Bewerbungsphase starten. Die Agentur für Arbeit unterstützt beim Wiedereinstieg.

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Trägerauswahl: Qualitätsmerkmale erkennen

Achtung – Trägerqualität variiert erheblich: Nicht alle AZAV-zertifizierten Anbieter bieten die gleiche Qualität. Ein schlechter Anbieter kann dazu führen, dass du den Abschluss nicht schaffst oder Inhalte nicht praxisrelevant sind. Wähle sorgfältig.

Diese Qualitätsmerkmale solltest du prüfen:

  • Prüfungserfolgsquote: Frage aktiv danach – wie viele Teilnehmer bestehen die Abschlussprüfung?
  • Bewertungen: Google-Rezensionen, Trustpilot, Erfahrungsberichte auf einschlägigen Foren
  • Qualifikation der Lehrkräfte: Werden Praktiker oder Theoretiker eingesetzt?
  • Praxisanteile: Gibt es Praktika, Projekte, Live-Übungen?
  • Vermittlungsunterstützung: Hilft der Anbieter bei der Job-Suche nach der Umschulung?
  • Aktualität der Inhalte: IT-Kurse z.B. müssen aktuelle Technologien vermitteln
Tipp: Kontaktiere Absolventen des Anbieters über LinkedIn oder Bewertungsportale. Ein persönliches Gespräch gibt dir mehr Einblick als jede Marketingbroschüre.

Praxisbeispiel: Sarah wechselt von Einzelhandel zu IT-Systemkauffrau

Praxisbeispiel

Sarah, 29 Jahre, hat nach einer Filialschließung ihren Job als Verkäuferin im Einzelhandel verloren. Sie bezieht ALG I (ca. 950 €/Monat) und möchte in die IT-Branche wechseln.

Ihr Weg:

  1. Sarah recherchiert auf Careertune und findet zwei AZAV-zertifizierte Anbieter für eine Umschulung zur IT-Systemkauffrau – eine 24-monatige Maßnahme.
  2. Sie vergleicht beide Anbieter: Prüfungsquoten (Anbieter A: 82 %, Anbieter B: 64 %), Kosten (Anbieter A: 11.200 €), Bewertungen. Entscheidung für Anbieter A.
  3. Im Beratungsgespräch bringt sie aktuelle Stellenanzeigen für IT-Systemkaufleute mit Gehaltsangaben (Ø 2.800 € brutto Einstieg).
  4. Der BGS wird für 24 Monate bewilligt. Kurskosten: 0 €. ALG I läuft weiter. Weiterbildungsgeld: +2 €/Tag.
  5. Nach 24 Monaten besteht Sarah die IHK-Prüfung und erhält innerhalb von 5 Wochen ihre erste Stelle als Junior IT-Systemkauffrau.

Ergebnis: Eigenanteil 0 € | Neues Gehalt: 2.750 € brutto | Einkommenssteigerung: +85 % vs. früheres Einzelhandelsgehalt

Mehr erfahren: Was ist eine Umschulung? Alle Grundlagen | ALG I berechnen: So viel bekommst du

Nach der Umschulung: Erfolgreicher Wiedereinstieg

Die Umschulung ist abgeschlossen – jetzt geht es darum, schnell eine Stelle zu finden. Diese Schritte helfen:

Optimale Bewerbungsphase nach der Umschulung

  • LinkedIn-Profil mit neuem Abschluss aktualisieren
  • Bewerbungsunterlagen auf neuen Beruf anpassen
  • Praxisprojekte aus der Umschulung im Portfolio zeigen
  • Aktiv auf XING, StepStone, Indeed und branchenspezifischen Portalen suchen
  • Netzwerk aus der Umschulung nutzen (Kommilitonen, Dozenten)
  • Nachqualifikationen gezielt einplanen (Zusatzzertifikate)
  • Arbeitsvermittlerin über neuen Abschluss informieren – Vermittlungsunterstützung aktivieren
Statistik: Laut Studien der Bundesagentur für Arbeit sind Absolventen geförderter Umschulungen durchschnittlich innerhalb von 3–6 Monaten nach Abschluss wieder beschäftigt. Wer aktiv sucht und das Netzwerk nutzt, schafft es oft in unter 2 Monaten.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich eine Umschulung als Arbeitsloser vollständig kostenlos machen?

Ja. Wenn der Bildungsgutschein (BGS) bewilligt wird, werden Kurskosten, Prüfungsgebühren, Lernmittel und in vielen Fällen auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung vollständig übernommen. Dein Eigenanteil ist 0 €.

Wie lange dauert eine geförderte Umschulung?

Eine Umschulung zu einem anerkannten Berufsabschluss dauert in der Regel 2 Jahre (24 Monate). Kürzere Qualifizierungsmaßnahmen ohne vollständigen Abschluss sind auch möglich.

Läuft das Arbeitslosengeld während der Umschulung weiter?

Ja. Das ALG I läuft unverändert weiter, solange die Umschulung offiziell mit dem BGS gefördert wird. Zusätzlich gibt es das Weiterbildungsgeld von +2 € pro Werktag.

Was ist der Unterschied zwischen Umschulung und Weiterbildung?

Eine Umschulung führt zu einem vollständig neuen anerkannten Berufsabschluss (z.B. IHK). Eine Weiterbildung baut auf einer bestehenden Qualifikation auf und führt zu einem Zertifikat oder einer spezifischen Zusatzqualifikation.

Wie wähle ich einen guten Umschulungsanbieter?

Achte auf Prüfungserfolgsquoten, Bewertungen (Google, Trustpilot), Qualifikation der Lehrkräfte, Praxisanteile und Unterstützung beim Wiedereinstieg. Mindestens 2–3 Anbieter vergleichen.

Wie beantrage ich den BGS für eine Umschulung?

Im Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Bringe konkrete Kursvorschläge (AZAV-zertifiziert, Maßnahmezulassung), Stellenanzeigen für den Zielberuf und deinen Lebenslauf mit.

Werden Kinderbetreuungskosten während einer Umschulung übernommen?

Ja, nach § 83 SGB III können Kinderbetreuungskosten übernommen werden. Sie müssen separat beantragt werden.

Kann ich eine Umschulung auch online machen?

Ja. Viele AZAV-zertifizierte Anbieter bieten Umschulungen vollständig online an. Das Lernformat spielt für die BGS-Förderung keine Rolle mehr.

Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?

Eine Prüfungswiederholung ist in der Regel möglich. Kläre vorab mit dem Anbieter, wie viele Versuche vorgesehen sind und ob der BGS auch Wiederholungsprüfungen abdeckt.

Wie schnell finde ich nach einer Umschulung einen Job?

Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit sind Absolventen geförderter Umschulungen durchschnittlich innerhalb von 3–6 Monaten wieder beschäftigt. Aktive Jobsuche parallel zur Umschulung verkürzt die Wartezeit.

Kann ich die Umschulung abbrechen?

Technisch ja – aber du musst die Konsequenzen kennen. Bei einem Abbruch ohne triftigen Grund kann die Agentur für Arbeit eine Sperrzeit verhängen und bereits gezahlte Förderungen zurückfordern.

Welche Berufe eignen sich besonders für eine Umschulung?

Besonders nachgefragt sind Umschulungen in IT (IT-Systemkaufmann/frau, Fachinformatiker/in), Gesundheit (Pflege, Ergotherapie), kaufmännische Berufe und Logistik. Die Wahl sollte von persönlichem Interesse und Arbeitsmarktlage abhängen.

Bereit für deine Weiterbildung?

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