Quereinsteiger: Wie der Berufswechsel ohne passende Ausbildung klappt
Du willst den Beruf wechseln – aber hast keine passende Ausbildung für den Zielberuf? Als Quereinsteiger ist das in vielen Branchen trotzdem möglich. Wir zeigen dir alle Strategien, Förderungen und Stolpersteine.
Was bedeutet Quereinsteiger? Definition und Chancen
Ein Quereinsteiger ist eine Person, die in ein Berufsfeld wechselt, das nicht ihrer ursprünglichen Ausbildung oder langjährigen Berufserfahrung entspricht. Das kann bedeuten: Wechsel von Handwerk in IT, von Lehramt in Marketing, von Gastronomie in Pflege oder von einem Bürojob in einen technischen Beruf.
Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel haben die Türen für Quereinsteiger in Deutschland weit geöffnet. Besonders IT, Pflege, Handwerk und Marketing suchen aktiv Menschen mit branchenfremdem Hintergrund – weil schlicht nicht genug Ausgebildete vorhanden sind.
Quereinstiegs-Strategien im Vergleich: Was passt zu dir?
Es gibt vier grundlegende Strategien für den Quereinstieg. Jede hat andere Zeitbedarf, Kosten und Fördermöglichkeiten:
| Strategie | Zeitbedarf | Förderbarkeit | Berufsfelder |
|---|---|---|---|
| Direkteinstieg (Bewerbung mit Transfer-Skills) | Sofort | Keine Kurskosten, BGS nicht nötig | IT, Marketing, Vertrieb, Logistik |
| Kurzqualifizierung (Bootcamp/Zertifikat, 3 Monate) | 3–6 Monate | BGS möglich für AZAV-Kurse | IT, Marketing, Pflege-Einstieg |
| Umschulung (2 Jahre, anerkannter Abschluss) | 24 Monate | BGS bis 100 % Kurskosten | IT, Pflege, Kaufmann, Handwerk |
| Aufstiegsfortbildung (Meister/Fachwirt) | 12–36 Monate | Aufstiegs-BAföG bis 15.000 € | Handwerk, Kaufmann, Technik |
Die richtige Strategie hängt von deinem Zielberuf, deiner finanziellen Situation und dem Arbeitsmarkt in deiner Region ab. Für regulierte Berufe (Pflege, Elektroniker) brauchst du einen formalen Abschluss – da führt kein Weg an Umschulung oder Ausbildung vorbei. Für IT und Marketing reicht oft ein starkes Portfolio.
Diese Branchen sind für Quereinsteiger besonders offen
Nicht alle Branchen haben dieselbe Offenheit für Quereinsteiger. Diese Bereiche gelten als besonders zugänglich:
Aylin, 29, arbeitete 7 Jahre als Friseurin. Der körperliche Verschleiß und die unsicheren Trinkgeld-Einnahmen motivierten sie zum Wechsel. Ziel: Pflegefachkraft. Aylins Stärken – Einfühlungsvermögen, Kommunikation, körperliche Belastbarkeit – waren ideale Transfer-Skills für die Pflege. Das Jobcenter bewilligte die 24-monatige Umschulung nach einem Beratungsgespräch. Heute arbeitet Aylin im Krankenhaus Freiburg mit 36.000 € Jahresgehalt und plant die Weiterbildung zur Pflegeleitung.
IT und Tech
Die IT-Branche ist der Quereinstiegs-Champion. Mit Fachkräftemangel von 137.000+ offenen Stellen stellen viele Unternehmen nach Skills, Portfolio und Lernfähigkeit ein – nicht nach formalem Abschluss. Besonders offen: Webentwicklung, IT-Support, Cybersecurity, Cloud, Data Analysis.
Pflege und Soziales
Chronischer Personalmangel macht die Pflege für Quereinsteiger offen. Oft gibt es schnelle Einstiegsprogramme (Pflegehilfe, 1 Jahr) als Sprungbrett, bevor man die Pflegefachkraft-Umschulung macht.
Marketing und Kommunikation
Kreativität, Schreibstärke und analytisches Denken zählen mehr als ein Marketingabschluss. Portfolio und nachgewiesene Erfolge (SEO-Rankings, Social-Media-Reichweite) überzeugen Arbeitgeber.
Sofort bewerben (Direkteinstieg)
- Kein Gehaltsverlust durch Qualifizierungszeit
- On-the-job-Lernen – praktisch und unmittelbar
- Schnellster Weg in den neuen Beruf
Erst qualifizieren (Kurs/Umschulung)
- Höhere Startgehälter mit formalem Abschluss
- Vollständige staatliche Finanzierung möglich
- Mehr Jobsicherheit und Aufstiegsmöglichkeiten
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Jetzt Weiterbildungs-Vergleich starten – kostenlos & unverbindlichFörderungen für Quereinsteiger: Was der Staat zahlt
Quereinsteiger haben Zugang zu denselben staatlichen Förderungen wie reguläre Weiterbildungsinteressierte – wenn die Voraussetzungen stimmen:
- Bildungsgutschein (BGS): Wenn du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, finanziert der BGS Kurse und Umschulungen zur Qualifizierung im Zielberuf – bis 100 % der Kurskosten
- § 82 SGB III (Weiterbildungsförderung Beschäftigter): Wenn ein Arbeitgeber dich als Quereinsteiger einstellt und du während der Einarbeitung Kurse machst, kann er Förderung erhalten
- Aufstiegs-BAföG: Für Quereinsteiger, die in einen höherwertigen Abschluss (Meister, Techniker, Fachwirt) wechseln wollen
- Bildungsprämie: Einmalig bis zu 500 € für Erwerbstätige mit Bruttoeinkommen unter 20.000 €/Jahr
- Weiterbildungsstipendium: Für Berufsanfänger und junge Quereinsteiger bis 25 mit überdurchschnittlicher Leistung
Weiterlesen: Alle Finanzierungsmöglichkeiten für Weiterbildung – Bildungsgutschein beantragen
Quereinstieg vorbereiten: 5 Schritte
Ein erfolgreicher Quereinstieg ist kein Zufall – er ist das Ergebnis systematischer Vorbereitung. Diese fünf Schritte maximieren deine Erfolgschancen:
Bewerbung als Quereinsteiger: So überzeugst du Arbeitgeber
Eine Quereinsteiger-Bewerbung unterscheidet sich fundamental von einer normalen Bewerbung. Hier die wichtigsten Regeln:
- Lebenslauf: Skills-first-Format – Zeige zuerst relevante Kompetenzen und Zertifikate, dann Berufserfahrung. Das klassische chronologische Format benachteiligt Quereinsteiger.
- Anschreiben: Wandel aktiv erklären – Erkläre positiv, warum du wechselst. Zeige, dass es eine bewusste Entscheidung ist, keine Flucht.
- Transferable Skills explizit benennen – Übersetze Fähigkeiten aus dem alten Beruf in die Sprache des neuen Berufs. Statt "Schichtleiter Lager" → "Teamkoordination unter Zeitdruck, Optimierung von Ablaufprozessen".
- Portfolio verlinken – GitHub, Behance, persönliche Webseite – was immer zum Zielberuf passt. Zeige, dass du bereits selbstständig im neuen Bereich aktiv bist.
- Netzwerk-Empfehlungen nutzen – Die meisten Quereinsteiger-Jobs werden über Netzwerk vergeben, nicht über Stellenportale. LinkedIn und direkte Empfehlungen sind Gold wert.
- Skills-first Lebenslauf erstellt
- Transfer-Skills in Zielberuf-Sprache übersetzt
- Positive Wechsel-Geschichte formuliert
- Portfolio und Zertifikate sichtbar verlinkt
- LinkedIn-Profil auf Zielbranche ausgerichtet
- Mindestens 10 Netzwerkkontakte in Zielbranche aufgebaut
Mehr zum Thema Lebenslauf: Weiterbildungen im Lebenslauf richtig angeben
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Quereinstieg ohne Ausbildung im Zielberuf möglich?
Ja, in vielen Branchen. IT und Marketing sind besonders offen für Quereinsteiger ohne formale Qualifikation, wenn du Kompetenz durch Projekte, Zertifikate und Portfolio nachweisen kannst. In regulierten Berufen (Arzt, Pflegefachkraft, Elektriker) ist ein Abschluss zwingend erforderlich.
Wie überzeuge ich Arbeitgeber als Quereinsteiger?
Durch drei Dinge: Transfer-Skills klar benennen und in die Sprache des Zielberufs übersetzen; eine überzeugende, positive Wechsel-Geschichte erzählen; und konkrete Nachweise liefern (Portfolio, Zertifikate, Selbstprojekte). Netzwerkempfehlungen sind oft wirksamer als Kaltbewerbungen.
Wie lange dauert ein Quereinstieg?
Das hängt stark von der Strategie ab: Direkteinstieg ist sofort möglich (wenn ein Arbeitgeber dich nimmt). Kurzqualifizierung: 3–6 Monate. Umschulung: 24 Monate. Im Durchschnitt planen Quereinsteiger 6–18 Monate für die Qualifizierungs- und Bewerbungsphase ein.
Kann ich als Quereinsteiger mehr verdienen als bisher?
Ja, das ist einer der häufigsten Motivationen für den Quereinstieg in die IT-Branche. IT-Quereinsteiger verdienen nach wenigen Jahren oft 50.000–70.000 € – deutlich mehr als in vielen Ausgangberufen. Der Gehaltssprung ist am größten bei Wechsel von Dienstleistungsberufen in IT.
Welche Förderungen kann ich als Quereinsteiger beantragen?
Wenn du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist: Bildungsgutschein (BGS) bis 100 % der Kurskosten. Als Beschäftigter: Bildungsprämie (bis 500 €), § 82 SGB III (arbeitgeberunterstützt) oder Aufstiegs-BAföG. Prüfe immer zuerst den BGS – er ist am großzügigsten.
Welche Transfer-Skills sind branchenübergreifend am wertvollsten?
Projektmanagement, Kommunikation, Problemlösung, Kundenorientierung, analytisches Denken, Teamarbeit und Lernfähigkeit. Ein Lehrer, der in IT wechselt, bringt wertvolle didaktische Fähigkeiten für technischen Support oder Schulungen mit. Ein Koch bringt Stressresistenz und Präzision – wertvoll in Operations und Logistik.
Was sind die besten Branchen für Quereinsteiger?
IT (größter Fachkräftemangel, Skills-basiertes Hiring), Pflege (chronischer Personalmangel, gezielte Einstiegsprogramme), Marketing/Kommunikation (Portfolio wichtiger als Abschluss), Vertrieb (Motivation und Kommunikation entscheidend), Logistik (hohe Nachfrage, niedrige formale Hürden).
Ist LinkedIn für Quereinsteiger wirklich so wichtig?
Ja, extrem. Quereinsteiger finden ihren ersten Job in der neuen Branche überproportional oft über Netzwerkkontakte. Teile deine Lernreise öffentlich auf LinkedIn, vernetze dich mit Recruitern und Fachleuten in der Zielbranche. Viele Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben.
Welche Fehler machen Quereinsteiger am häufigsten?
Die häufigsten Fehler: fehlende Vorbereitung (kein Portfolio, kein Netzwerk), falsche Strategie (Direkteinstieg in regulierten Beruf), zu viel Entschuldigung statt Selbstbewusstsein in der Bewerbung, Unterschätzung der Qualifizierungszeit und kein konkreter Plan zur Finanzierung der Übergangszeit.
Kann ich als Selbstständiger einen BGS für den Quereinstieg beantragen?
Selbstständige haben in der Regel keinen direkten BGS-Anspruch. Wenn du die Selbstständigkeit aufgibst und dich als arbeitslos meldest (ALG I oder Bürgergeld), eröffnen sich die regulären Förderoptionen. Als aktiver Selbstständiger gibt es nur wenige Förderoptionen (z. B. Bildungsprämie).
Wie kombiniere ich Quereinstieg und Umschulung?
Viele nutzen die Umschulung als strukturierten Weg in den Zielberuf – mit anerkanntem Abschluss und vollständiger Finanzierung. Alternativ: Kurzqualifizierung für den schnellen Einstieg, dann Umschulung nebenberuflich. Der Bildungsgutschein deckt beide Wege, wenn die Voraussetzungen stimmen.
Welche Rolle spielen Zertifikate bei einem Quereinstieg?
Sehr wichtige Rolle, besonders in IT und Marketing. AWS-Zertifikate, Google Analytics, Scrum Master, HubSpot Zertifikate – sie beweisen Kompetenz ohne Berufsabschluss und sind von Arbeitgebern weitgehend anerkannt. In regulierten Berufen ersetzen sie aber nicht den formalen Abschluss.
Wie erkläre ich im Vorstellungsgespräch meinen Berufswechsel?
Bereite eine klare, positive Drei-Satz-Antwort vor: (1) Was dich an deinem alten Beruf nicht mehr erfüllt hat; (2) Was dich am neuen Beruf begeistert und wie deine Stärken dort passen; (3) Was du bereits getan hast, um dich vorzubereiten. Selbstbewusstsein und Enthusiasmus sind wichtiger als eine lückenlose Karrierelogik.
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