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Quereinstieg

Quereinsteiger: Wie der Berufswechsel ohne passende Ausbildung klappt

Du willst den Beruf wechseln – aber hast keine passende Ausbildung für den Zielberuf? Als Quereinsteiger ist das in vielen Branchen trotzdem möglich. Wir zeigen dir alle Strategien, Förderungen und Stolpersteine.

Was bedeutet Quereinsteiger? Definition und Chancen

Ein Quereinsteiger ist eine Person, die in ein Berufsfeld wechselt, das nicht ihrer ursprünglichen Ausbildung oder langjährigen Berufserfahrung entspricht. Das kann bedeuten: Wechsel von Handwerk in IT, von Lehramt in Marketing, von Gastronomie in Pflege oder von einem Bürojob in einen technischen Beruf.

32 %
Stellenangebote offen für Quereinsteiger
570k+
Offene Stellen in Mangelberufen (2026)
IT, Pflege
Branchen mit größter Quereinstiegs-Offenheit
6–24 Mon.
Typische Qualifizierungszeit für Quereinstieg

Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel haben die Türen für Quereinsteiger in Deutschland weit geöffnet. Besonders IT, Pflege, Handwerk und Marketing suchen aktiv Menschen mit branchenfremdem Hintergrund – weil schlicht nicht genug Ausgebildete vorhanden sind.

Quereinstieg ≠ Umschulung: Ein Quereinstieg kann ohne formale Umschulung passieren (Direkteinstieg mit on-the-job-Lernen) oder über eine staatlich geförderte Umschulung zum anerkannten Abschluss. Beide Wege sind möglich – und kombinierbar.

Quereinstiegs-Strategien im Vergleich: Was passt zu dir?

Es gibt vier grundlegende Strategien für den Quereinstieg. Jede hat andere Zeitbedarf, Kosten und Fördermöglichkeiten:

StrategieZeitbedarfFörderbarkeitBerufsfelder
Direkteinstieg (Bewerbung mit Transfer-Skills)SofortKeine Kurskosten, BGS nicht nötigIT, Marketing, Vertrieb, Logistik
Kurzqualifizierung (Bootcamp/Zertifikat, 3 Monate)3–6 MonateBGS möglich für AZAV-KurseIT, Marketing, Pflege-Einstieg
Umschulung (2 Jahre, anerkannter Abschluss)24 MonateBGS bis 100 % KurskostenIT, Pflege, Kaufmann, Handwerk
Aufstiegsfortbildung (Meister/Fachwirt)12–36 MonateAufstiegs-BAföG bis 15.000 €Handwerk, Kaufmann, Technik

Die richtige Strategie hängt von deinem Zielberuf, deiner finanziellen Situation und dem Arbeitsmarkt in deiner Region ab. Für regulierte Berufe (Pflege, Elektroniker) brauchst du einen formalen Abschluss – da führt kein Weg an Umschulung oder Ausbildung vorbei. Für IT und Marketing reicht oft ein starkes Portfolio.

1
Zielberuf analysieren: Ist der Beruf reguliert? Braucht es einen formalen Abschluss oder reichen Skills und Portfolio?
2
Eigene Transfer-Skills identifizieren: Welche Kompetenzen aus deinem bisherigen Beruf sind im Zielberuf wertvoll?
3
Strategie wählen: Direkteinstieg, Kurzqualifizierung, Umschulung oder Fortbildung – passend zu Beruf und Situation
4
Förderoptionen prüfen: BGS, Aufstiegs-BAföG, § 82 SGB III (Arbeitgeber-gefördert) – was ist für dich zugänglich?
5
Portfolio aufbauen und Netzwerk knüpfen: Projekte zeigen, LinkedIn-Profil aufbauen, Kontakte in Zielbranche herstellen

Diese Branchen sind für Quereinsteiger besonders offen

Nicht alle Branchen haben dieselbe Offenheit für Quereinsteiger. Diese Bereiche gelten als besonders zugänglich:

Praxisbeispiel: Friseurin steigt in Pflege ein

Aylin, 29, arbeitete 7 Jahre als Friseurin. Der körperliche Verschleiß und die unsicheren Trinkgeld-Einnahmen motivierten sie zum Wechsel. Ziel: Pflegefachkraft. Aylins Stärken – Einfühlungsvermögen, Kommunikation, körperliche Belastbarkeit – waren ideale Transfer-Skills für die Pflege. Das Jobcenter bewilligte die 24-monatige Umschulung nach einem Beratungsgespräch. Heute arbeitet Aylin im Krankenhaus Freiburg mit 36.000 € Jahresgehalt und plant die Weiterbildung zur Pflegeleitung.

IT und Tech

Die IT-Branche ist der Quereinstiegs-Champion. Mit Fachkräftemangel von 137.000+ offenen Stellen stellen viele Unternehmen nach Skills, Portfolio und Lernfähigkeit ein – nicht nach formalem Abschluss. Besonders offen: Webentwicklung, IT-Support, Cybersecurity, Cloud, Data Analysis.

Pflege und Soziales

Chronischer Personalmangel macht die Pflege für Quereinsteiger offen. Oft gibt es schnelle Einstiegsprogramme (Pflegehilfe, 1 Jahr) als Sprungbrett, bevor man die Pflegefachkraft-Umschulung macht.

Marketing und Kommunikation

Kreativität, Schreibstärke und analytisches Denken zählen mehr als ein Marketingabschluss. Portfolio und nachgewiesene Erfolge (SEO-Rankings, Social-Media-Reichweite) überzeugen Arbeitgeber.

Sofort bewerben (Direkteinstieg)

  • Kein Gehaltsverlust durch Qualifizierungszeit
  • On-the-job-Lernen – praktisch und unmittelbar
  • Schnellster Weg in den neuen Beruf

Erst qualifizieren (Kurs/Umschulung)

  • Höhere Startgehälter mit formalem Abschluss
  • Vollständige staatliche Finanzierung möglich
  • Mehr Jobsicherheit und Aufstiegsmöglichkeiten

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Förderungen für Quereinsteiger: Was der Staat zahlt

Quereinsteiger haben Zugang zu denselben staatlichen Förderungen wie reguläre Weiterbildungsinteressierte – wenn die Voraussetzungen stimmen:

  • Bildungsgutschein (BGS): Wenn du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, finanziert der BGS Kurse und Umschulungen zur Qualifizierung im Zielberuf – bis 100 % der Kurskosten
  • § 82 SGB III (Weiterbildungsförderung Beschäftigter): Wenn ein Arbeitgeber dich als Quereinsteiger einstellt und du während der Einarbeitung Kurse machst, kann er Förderung erhalten
  • Aufstiegs-BAföG: Für Quereinsteiger, die in einen höherwertigen Abschluss (Meister, Techniker, Fachwirt) wechseln wollen
  • Bildungsprämie: Einmalig bis zu 500 € für Erwerbstätige mit Bruttoeinkommen unter 20.000 €/Jahr
  • Weiterbildungsstipendium: Für Berufsanfänger und junge Quereinsteiger bis 25 mit überdurchschnittlicher Leistung
Tipp: Wenn du einen Arbeitgeber findest, der dich als Quereinsteiger einstellen möchte, kann er über § 82 SGB III Zuschüsse zur Qualifizierung erhalten. Das senkt seine Einstellungshürde und verbessert deine Chancen. Sprich das Thema aktiv in Bewerbungsgesprächen an.

Weiterlesen: Alle Finanzierungsmöglichkeiten für WeiterbildungBildungsgutschein beantragen

Quereinstieg vorbereiten: 5 Schritte

Ein erfolgreicher Quereinstieg ist kein Zufall – er ist das Ergebnis systematischer Vorbereitung. Diese fünf Schritte maximieren deine Erfolgschancen:

1
Transfer-Skills analysieren: Liste alle Fähigkeiten auf, die du in deinem bisherigen Beruf entwickelt hast. Welche davon sind im Zielberuf wertvoll? Projektmanagement, Kundenkommunikation, analytisches Denken, Lernfähigkeit – diese Skills sind fast überall gefragt
2
Portfolio aufbauen: Zeige konkrete Ergebnisse. In IT: GitHub-Projekte, Webseiten, Apps. In Marketing: Case Studies, Social-Media-Kampagnen. In Pflege: ehrenamtliche Arbeit, Pflegekurse, Zertifikate
3
Netzwerk in Zielbranche aufbauen: LinkedIn-Profil optimieren, Fachmessen besuchen, Fachgruppen beitreten, Informationsgespräche mit Berufstätigen führen
4
Qualifizierungslücken schließen: Identifiziere, welche spezifischen Kenntnisse du noch brauchst und schließe diese gezielt durch Kurse, Zertifikate oder Selbststudium
5
Bewerbungsstrategie auf Quereinstieg ausrichten: Anschreiben und Lebenslauf so gestalten, dass Transfer-Skills und Motivation für den Wechsel klar werden – nicht Entschuldigung für fehlende Erfahrung
Die Wechsel-Geschichte als Stärke: "Warum wechselst du?" ist die häufigste Frage im Quereinsteiger-Vorstellungsgespräch. Bereite eine klare, positive Antwort vor: Was dich zum Wechsel motiviert, was du mitbringst und warum du langfristig im neuen Beruf bleiben willst. Diese Geschichte ist dein wichtigstes Verkaufsargument.

Bewerbung als Quereinsteiger: So überzeugst du Arbeitgeber

Eine Quereinsteiger-Bewerbung unterscheidet sich fundamental von einer normalen Bewerbung. Hier die wichtigsten Regeln:

  • Lebenslauf: Skills-first-Format – Zeige zuerst relevante Kompetenzen und Zertifikate, dann Berufserfahrung. Das klassische chronologische Format benachteiligt Quereinsteiger.
  • Anschreiben: Wandel aktiv erklären – Erkläre positiv, warum du wechselst. Zeige, dass es eine bewusste Entscheidung ist, keine Flucht.
  • Transferable Skills explizit benennen – Übersetze Fähigkeiten aus dem alten Beruf in die Sprache des neuen Berufs. Statt "Schichtleiter Lager" → "Teamkoordination unter Zeitdruck, Optimierung von Ablaufprozessen".
  • Portfolio verlinken – GitHub, Behance, persönliche Webseite – was immer zum Zielberuf passt. Zeige, dass du bereits selbstständig im neuen Bereich aktiv bist.
  • Netzwerk-Empfehlungen nutzen – Die meisten Quereinsteiger-Jobs werden über Netzwerk vergeben, nicht über Stellenportale. LinkedIn und direkte Empfehlungen sind Gold wert.
  • Skills-first Lebenslauf erstellt
  • Transfer-Skills in Zielberuf-Sprache übersetzt
  • Positive Wechsel-Geschichte formuliert
  • Portfolio und Zertifikate sichtbar verlinkt
  • LinkedIn-Profil auf Zielbranche ausgerichtet
  • Mindestens 10 Netzwerkkontakte in Zielbranche aufgebaut

Mehr zum Thema Lebenslauf: Weiterbildungen im Lebenslauf richtig angeben

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Quereinstieg ohne Ausbildung im Zielberuf möglich?

Ja, in vielen Branchen. IT und Marketing sind besonders offen für Quereinsteiger ohne formale Qualifikation, wenn du Kompetenz durch Projekte, Zertifikate und Portfolio nachweisen kannst. In regulierten Berufen (Arzt, Pflegefachkraft, Elektriker) ist ein Abschluss zwingend erforderlich.

Wie überzeuge ich Arbeitgeber als Quereinsteiger?

Durch drei Dinge: Transfer-Skills klar benennen und in die Sprache des Zielberufs übersetzen; eine überzeugende, positive Wechsel-Geschichte erzählen; und konkrete Nachweise liefern (Portfolio, Zertifikate, Selbstprojekte). Netzwerkempfehlungen sind oft wirksamer als Kaltbewerbungen.

Wie lange dauert ein Quereinstieg?

Das hängt stark von der Strategie ab: Direkteinstieg ist sofort möglich (wenn ein Arbeitgeber dich nimmt). Kurzqualifizierung: 3–6 Monate. Umschulung: 24 Monate. Im Durchschnitt planen Quereinsteiger 6–18 Monate für die Qualifizierungs- und Bewerbungsphase ein.

Kann ich als Quereinsteiger mehr verdienen als bisher?

Ja, das ist einer der häufigsten Motivationen für den Quereinstieg in die IT-Branche. IT-Quereinsteiger verdienen nach wenigen Jahren oft 50.000–70.000 € – deutlich mehr als in vielen Ausgangberufen. Der Gehaltssprung ist am größten bei Wechsel von Dienstleistungsberufen in IT.

Welche Förderungen kann ich als Quereinsteiger beantragen?

Wenn du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist: Bildungsgutschein (BGS) bis 100 % der Kurskosten. Als Beschäftigter: Bildungsprämie (bis 500 €), § 82 SGB III (arbeitgeberunterstützt) oder Aufstiegs-BAföG. Prüfe immer zuerst den BGS – er ist am großzügigsten.

Welche Transfer-Skills sind branchenübergreifend am wertvollsten?

Projektmanagement, Kommunikation, Problemlösung, Kundenorientierung, analytisches Denken, Teamarbeit und Lernfähigkeit. Ein Lehrer, der in IT wechselt, bringt wertvolle didaktische Fähigkeiten für technischen Support oder Schulungen mit. Ein Koch bringt Stressresistenz und Präzision – wertvoll in Operations und Logistik.

Was sind die besten Branchen für Quereinsteiger?

IT (größter Fachkräftemangel, Skills-basiertes Hiring), Pflege (chronischer Personalmangel, gezielte Einstiegsprogramme), Marketing/Kommunikation (Portfolio wichtiger als Abschluss), Vertrieb (Motivation und Kommunikation entscheidend), Logistik (hohe Nachfrage, niedrige formale Hürden).

Ist LinkedIn für Quereinsteiger wirklich so wichtig?

Ja, extrem. Quereinsteiger finden ihren ersten Job in der neuen Branche überproportional oft über Netzwerkkontakte. Teile deine Lernreise öffentlich auf LinkedIn, vernetze dich mit Recruitern und Fachleuten in der Zielbranche. Viele Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben.

Welche Fehler machen Quereinsteiger am häufigsten?

Die häufigsten Fehler: fehlende Vorbereitung (kein Portfolio, kein Netzwerk), falsche Strategie (Direkteinstieg in regulierten Beruf), zu viel Entschuldigung statt Selbstbewusstsein in der Bewerbung, Unterschätzung der Qualifizierungszeit und kein konkreter Plan zur Finanzierung der Übergangszeit.

Kann ich als Selbstständiger einen BGS für den Quereinstieg beantragen?

Selbstständige haben in der Regel keinen direkten BGS-Anspruch. Wenn du die Selbstständigkeit aufgibst und dich als arbeitslos meldest (ALG I oder Bürgergeld), eröffnen sich die regulären Förderoptionen. Als aktiver Selbstständiger gibt es nur wenige Förderoptionen (z. B. Bildungsprämie).

Wie kombiniere ich Quereinstieg und Umschulung?

Viele nutzen die Umschulung als strukturierten Weg in den Zielberuf – mit anerkanntem Abschluss und vollständiger Finanzierung. Alternativ: Kurzqualifizierung für den schnellen Einstieg, dann Umschulung nebenberuflich. Der Bildungsgutschein deckt beide Wege, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Welche Rolle spielen Zertifikate bei einem Quereinstieg?

Sehr wichtige Rolle, besonders in IT und Marketing. AWS-Zertifikate, Google Analytics, Scrum Master, HubSpot Zertifikate – sie beweisen Kompetenz ohne Berufsabschluss und sind von Arbeitgebern weitgehend anerkannt. In regulierten Berufen ersetzen sie aber nicht den formalen Abschluss.

Wie erkläre ich im Vorstellungsgespräch meinen Berufswechsel?

Bereite eine klare, positive Drei-Satz-Antwort vor: (1) Was dich an deinem alten Beruf nicht mehr erfüllt hat; (2) Was dich am neuen Beruf begeistert und wie deine Stärken dort passen; (3) Was du bereits getan hast, um dich vorzubereiten. Selbstbewusstsein und Enthusiasmus sind wichtiger als eine lückenlose Karrierelogik.

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