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Bundesprogramm

Kompass-Programm: Neue Förderung für Berufsorientierung

Du bist berufstätig, willst aber vorausschauend planen – oder stehst vor einem Berufsübergang und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Das Kompass-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bietet dir kostenlose, professionelle Beratung – unabhängig vom Arbeitgeber und ohne Verpflichtungen.

Was ist das Kompass-Programm?

bundesweit
verfügbar über regionale Träger
kostenlos
für alle Teilnehmenden
3
Beratungsmodule: Analyse, Ziel, Plan
BMAS
Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Kompass ist ein Beratungsprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), das Menschen bei Berufsübergängen und der beruflichen Neuorientierung unterstützt. Das Programm wurde als Reaktion auf wachsenden Strukturwandel durch Digitalisierung und Automatisierung entwickelt: Beschäftigte sollen frühzeitig die richtigen Schritte machen, bevor Arbeitslosigkeit droht.

Der Kern des Programms ist eine individuelle Beratung durch qualifizierte Beraterinnen und Berater. Anders als die Beratung beim Jobcenter ist Kompass explizit für Menschen konzipiert, die ihren Job noch haben, aber vorausschauend planen wollen.

Die Beratung ist:

  • Kostenlos für alle Teilnehmenden – finanziert durch das BMAS
  • Unabhängig – keine Bindung an bestimmte Träger oder Kurse
  • Vertraulich – der Arbeitgeber erfährt nichts
  • Ganzheitlich – von der Kompetenzanalyse bis zur Finanzierungsfrage
Wichtig: Kompass ist kein Weiterbildungsanbieter, sondern ein Beratungsprogramm. Du buchst dort keine Kurse – du bekommst Orientierung, welche Kurse und Förderwege für dich passen.

Wer profitiert vom Kompass-Programm?

Kompass richtet sich an Menschen, die an einem beruflichen Scheideweg stehen oder vorausschauend planen wollen:

  • Beschäftigte in Branchen im Wandel (Industrie, Handel, Logistik, Verwaltung)
  • Personen über 45 Jahre, die frühzeitig investieren wollen
  • Menschen mit Berufsabschluss ohne Studium, die aufsteigen wollen
  • Beschäftigte, die sich mit Digitalisierung im eigenen Beruf schwer tun
  • Personen nach Elternzeit oder längerer Erwerbspause
  • Geringqualifizierte, die eine anerkannte Qualifikation nachholen wollen
  • Bereits Arbeitslose – diese wenden sich an Agentur für Arbeit / Jobcenter
  • Studierende oder Auszubildende
  • Selbstständige und Freiberufler (außer in einzelnen Bundesländern)
  • Personen, die lediglich einen konkreten Kurs buchen wollen
Tipp: Auch wenn du gerade noch sicher beschäftigt bist, ist Kompass sinnvoll. Frühzeitige Beratung ist immer besser als reaktives Handeln nach einer Kündigung.

Besonders wertvoll ist Kompass für Personen, die zum ersten Mal eine systematische Kompetenzanalyse machen – das Programm nutzt strukturierte Methoden wie den ProfilPASS, um formale und informelle Kompetenzen sichtbar zu machen.

Kompass vs. BA-Beratung vs. DGB-Beratungsnetz

Kompass, die Beratung der Bundesagentur für Arbeit und das DGB-Beratungsnetz verfolgen unterschiedliche Ziele und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an:

KriteriumKompassBA / JobcenterDGB-Beratungsnetz
ZielgruppeBeschäftigte, ÜbergängeArbeitslose, BedrohteGewerkschaftsmitglieder
FokusProaktive KarriereplanungWiedereingliederungWeiterbildung im Betrieb
BeratungstiefeMehrere Sitzungen, 60–90 Min.15–30 Min. ØVariabel, oft 45–60 Min.
UnabhängigkeitVollständig unabhängigAn Rechtslage gebundenGewerkschaftsnah
KostenKostenlos (BMAS-gefördert)Kostenlos (Pflichtleistung)Kostenlos für Mitglieder
Kann BGS ausstellen?NeinJaNein
KompetenzanalyseJa, strukturiert (ProfilPASS)EingeschränktJe nach Stelle
Strategie: Nutze Kompass zuerst für die inhaltliche Orientierung und Kompetenzanalyse. Dann geh mit dem fertigen Aktionsplan zur Agentur für Arbeit oder zum Arbeitgeber, um die Finanzierung zu klären. Ein fertiger Plan wirkt dort überzeugend.

Der Kompass-Beratungsprozess: 5 Schritte

Die Beratung ist in der Regel auf mehrere Sitzungen ausgelegt und folgt einem strukturierten Ablauf:

  1. 1
    Erstgespräch (ca. 60 Min.) – Vorstellung der eigenen Situation, Berufsbiografie, aktueller Tätigkeit, Wünsche und Ziele. Keine Vorab-Unterlagen nötig. Das Gespräch ist offen und ohne Verpflichtungen.
  2. 2
    Kompetenzanalyse – Gemeinsam wird analysiert, welche Stärken, formalen Qualifikationen und informellen Kompetenzen du mitbringst. Strukturierte Tools wie der ProfilPASS machen auch nicht-zertifizierte Fähigkeiten sichtbar.
  3. 3
    Zielklärung – Was willst du in 2–5 Jahren beruflich erreichen? Aufstieg, Umorientierung oder Absicherung? Die Zielklärung ist das Herzstück – ohne klares Ziel gibt es keinen sinnvollen Plan.
  4. 4
    Weiterbildungsrecherche – Der Berater zeigt dir passende Kurse, Träger und Programme – und erklärt, welche Fördermöglichkeiten (QCG, BGS, Aufstiegs-BAföG) infrage kommen.
  5. 5
    Aktionsplan – Am Ende steht ein konkreter Plan mit nächsten Schritten, Fristen und Förderquellen. Dieser Plan ist dein Werkzeug für das Gespräch mit Arbeitgeber oder Behörde.
Vorbereitung: Bring zum Erstgespräch deinen Lebenslauf mit und notiere dir im Voraus drei Berufsfelder oder Themen, die dich interessieren. Das spart Zeit und macht die Beratung sofort konkreter.

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Einen Kompass-Träger in deiner Nähe finden

Das Kompass-Programm ist nicht bundesweit flächendeckend, sondern wird über regionale Träger und Beratungsstellen umgesetzt. So findest du eine Beratungsstelle:

  • Besuche die offizielle BMAS-Seite oder die Programmwebsite und nutze die Standortsuche
  • Wende dich an deine Gewerkschaft (ver.di, IG Metall, NGG etc.) – viele Gewerkschaften kooperieren mit dem Kompass-Programm
  • Frag bei der IHK oder HWK deiner Region nach – dort gibt es häufig ähnliche Weiterbildungsberatungen
  • Kontaktiere regionale AZAV-zertifizierte Bildungsträger – manche betreiben Kompass-Stellen
  • Volkshochschulen (VHS) und Bildungswerke der Gewerkschaften sind ebenfalls häufige Träger
Wenn kein Träger in der Nähe: Viele Stellen bieten seit 2021 auch Videoberatung an. Du musst die Beratung nicht zwingend in Präsenz wahrnehmen.

Nach der Beratung hast du einen konkreten Weiterbildungsplan. Der nächste Schritt ist die Finanzierungsklärung – je nach Situation bei Arbeitgeber (§82 SGB III), Agentur für Arbeit (BGS) oder als Aufstiegs-BAföG-Antrag.

Kombination mit dem Bildungsgutschein und anderen Förderwegen

Kompass stellt selbst keine Fördermittel bereit – aber der Aktionsplan, den du nach der Beratung in der Hand hältst, ist ein wertvolles Hilfsmittel für andere Förderanträge:

Beispiel – Beratung führt direkt zum Bildungsgutschein

Sandra, 41, Einzelhandelskauffrau, hat Angst vor der Digitalisierung in ihrer Branche. Nach der Kompass-Beratung hat sie ein klares Ziel: IT-Projektmanagement. Mit dem Aktionsplan aus der Kompass-Beratung geht sie zur Agentur für Arbeit und beantragt einen Bildungsgutschein. Der fertige Plan wirkt überzeugend – der BGS wird genehmigt.

Kompass-ErgebnisPassender FörderwegNächster Schritt
Ziel: Aufstieg im BerufQCG §82 SGB III über ArbeitgeberGespräch mit Arbeitgeber führen
Ziel: Berufswechsel, aktuell beschäftigtBGS bei drohender ArbeitslosigkeitAgentur für Arbeit aufsuchen
Ziel: MeisterqualifikationAufstiegs-BAföGLandesbehörde kontaktieren
Ziel: Kurze ZusatzqualifikationBildungsprämie oder EigenfinanzierungBildungsprämie-Stelle aufsuchen
Fazit: Kompass ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Das Programm gibt dir Klarheit über Ziel und Weg – die Finanzierung kommt danach. Wer gut vorbereitet in das Fördergespräch geht, hat die deutlich bessere Erfolgsquote.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Kompass-Programm?

Kompass ist ein Beratungsprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) für Menschen an beruflichen Übergängen. Es bietet kostenlose, neutrale Beratung ohne Bindung an bestimmte Kurse oder Träger – mit Kompetenzanalyse und Aktionsplan.

Ist das Kompass-Programm kostenlos?

Ja, die Beratung ist für alle Teilnehmenden vollständig kostenlos. Das Programm wird vom BMAS finanziert.

Wer kann Kompass nutzen?

Menschen in beruflichen Übergangssituationen – Beschäftigte, die umsteuern wollen, Personen nach Elternzeit, Geringqualifizierte. Nicht geeignet für bereits Arbeitslose oder Studierende.

Wie lange dauert die Kompass-Beratung?

In der Regel mehrere Sitzungen à 60–90 Minuten. Der genaue Umfang hängt von der Beratungsstelle und der persönlichen Situation ab.

Kann ich durch Kompass einen Bildungsgutschein bekommen?

Nein. Kompass-Berater können keinen Bildungsgutschein ausstellen. Den BGS bekommst du bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Den Kompass-Aktionsplan kannst du als Grundlage mitbringen – er macht den Antrag überzeugender.

Erfährt mein Arbeitgeber von der Kompass-Beratung?

Nein. Die Beratung ist vertraulich. Dein Arbeitgeber wird nicht informiert.

Wie finde ich eine Kompass-Beratungsstelle?

Über die offizielle BMAS-Programmwebsite, bei Gewerkschaften (ver.di, IG Metall), bei IHK/HWK oder über regionale AZAV-zertifizierte Bildungsträger. Seit 2021 sind auch Videoberatungen möglich.

Was ist der Unterschied zwischen Kompass und der Agentur für Arbeit?

Kompass richtet sich an Beschäftigte und bietet tiefgehende, neutrale Beratung mit Kompetenzanalyse. Die Agentur für Arbeit ist für Arbeitslose und Bedrohte und kann Fördermittel (BGS) ausstellen, aber die Beratungstiefe ist geringer.

Was ist der ProfilPASS?

Der ProfilPASS ist ein strukturiertes Analyse-Tool, das in der Kompass-Beratung eingesetzt wird. Er hilft dabei, formale und informelle Kompetenzen sichtbar zu machen – also auch das, was man im Job gelernt hat, aber nie zertifiziert wurde.

Was passiert nach der Kompass-Beratung?

Du erhältst einen Aktionsplan mit Weiterbildungsempfehlungen und Finanzierungsoptionen. Der nächste Schritt ist die Klärung der Förderung – beim Arbeitgeber (§82 SGB III), der Agentur für Arbeit (BGS) oder über das Aufstiegs-BAföG.

Gibt es Kompass auch online?

Ja, viele Beratungsstellen bieten seit 2021 Videoberatung an. Du musst die Beratung nicht zwingend in Präsenz wahrnehmen.

Welche Berufsgruppen profitieren besonders von Kompass?

Besonders Beschäftigte in Branchen im Wandel (Industrie, Handel, Logistik), Personen über 45 Jahre, Geringqualifizierte und Menschen nach langen Erwerbspausen profitieren besonders von der strukturierten Beratung.

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