Kompass-Programm: Neue Förderung für Berufsorientierung
Du bist berufstätig, willst aber vorausschauend planen – oder stehst vor einem Berufsübergang und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Das Kompass-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bietet dir kostenlose, professionelle Beratung – unabhängig vom Arbeitgeber und ohne Verpflichtungen.
Was ist das Kompass-Programm?
Kompass ist ein Beratungsprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), das Menschen bei Berufsübergängen und der beruflichen Neuorientierung unterstützt. Das Programm wurde als Reaktion auf wachsenden Strukturwandel durch Digitalisierung und Automatisierung entwickelt: Beschäftigte sollen frühzeitig die richtigen Schritte machen, bevor Arbeitslosigkeit droht.
Der Kern des Programms ist eine individuelle Beratung durch qualifizierte Beraterinnen und Berater. Anders als die Beratung beim Jobcenter ist Kompass explizit für Menschen konzipiert, die ihren Job noch haben, aber vorausschauend planen wollen.
Die Beratung ist:
- Kostenlos für alle Teilnehmenden – finanziert durch das BMAS
- Unabhängig – keine Bindung an bestimmte Träger oder Kurse
- Vertraulich – der Arbeitgeber erfährt nichts
- Ganzheitlich – von der Kompetenzanalyse bis zur Finanzierungsfrage
Wer profitiert vom Kompass-Programm?
Kompass richtet sich an Menschen, die an einem beruflichen Scheideweg stehen oder vorausschauend planen wollen:
- Beschäftigte in Branchen im Wandel (Industrie, Handel, Logistik, Verwaltung)
- Personen über 45 Jahre, die frühzeitig investieren wollen
- Menschen mit Berufsabschluss ohne Studium, die aufsteigen wollen
- Beschäftigte, die sich mit Digitalisierung im eigenen Beruf schwer tun
- Personen nach Elternzeit oder längerer Erwerbspause
- Geringqualifizierte, die eine anerkannte Qualifikation nachholen wollen
- Bereits Arbeitslose – diese wenden sich an Agentur für Arbeit / Jobcenter
- Studierende oder Auszubildende
- Selbstständige und Freiberufler (außer in einzelnen Bundesländern)
- Personen, die lediglich einen konkreten Kurs buchen wollen
Besonders wertvoll ist Kompass für Personen, die zum ersten Mal eine systematische Kompetenzanalyse machen – das Programm nutzt strukturierte Methoden wie den ProfilPASS, um formale und informelle Kompetenzen sichtbar zu machen.
Kompass vs. BA-Beratung vs. DGB-Beratungsnetz
Kompass, die Beratung der Bundesagentur für Arbeit und das DGB-Beratungsnetz verfolgen unterschiedliche Ziele und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an:
| Kriterium | Kompass | BA / Jobcenter | DGB-Beratungsnetz |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Beschäftigte, Übergänge | Arbeitslose, Bedrohte | Gewerkschaftsmitglieder |
| Fokus | Proaktive Karriereplanung | Wiedereingliederung | Weiterbildung im Betrieb |
| Beratungstiefe | Mehrere Sitzungen, 60–90 Min. | 15–30 Min. Ø | Variabel, oft 45–60 Min. |
| Unabhängigkeit | Vollständig unabhängig | An Rechtslage gebunden | Gewerkschaftsnah |
| Kosten | Kostenlos (BMAS-gefördert) | Kostenlos (Pflichtleistung) | Kostenlos für Mitglieder |
| Kann BGS ausstellen? | Nein | Ja | Nein |
| Kompetenzanalyse | Ja, strukturiert (ProfilPASS) | Eingeschränkt | Je nach Stelle |
Der Kompass-Beratungsprozess: 5 Schritte
Die Beratung ist in der Regel auf mehrere Sitzungen ausgelegt und folgt einem strukturierten Ablauf:
- 1Erstgespräch (ca. 60 Min.) – Vorstellung der eigenen Situation, Berufsbiografie, aktueller Tätigkeit, Wünsche und Ziele. Keine Vorab-Unterlagen nötig. Das Gespräch ist offen und ohne Verpflichtungen.
- 2Kompetenzanalyse – Gemeinsam wird analysiert, welche Stärken, formalen Qualifikationen und informellen Kompetenzen du mitbringst. Strukturierte Tools wie der ProfilPASS machen auch nicht-zertifizierte Fähigkeiten sichtbar.
- 3Zielklärung – Was willst du in 2–5 Jahren beruflich erreichen? Aufstieg, Umorientierung oder Absicherung? Die Zielklärung ist das Herzstück – ohne klares Ziel gibt es keinen sinnvollen Plan.
- 4Weiterbildungsrecherche – Der Berater zeigt dir passende Kurse, Träger und Programme – und erklärt, welche Fördermöglichkeiten (QCG, BGS, Aufstiegs-BAföG) infrage kommen.
- 5Aktionsplan – Am Ende steht ein konkreter Plan mit nächsten Schritten, Fristen und Förderquellen. Dieser Plan ist dein Werkzeug für das Gespräch mit Arbeitgeber oder Behörde.
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Einen Kompass-Träger in deiner Nähe finden
Das Kompass-Programm ist nicht bundesweit flächendeckend, sondern wird über regionale Träger und Beratungsstellen umgesetzt. So findest du eine Beratungsstelle:
- Besuche die offizielle BMAS-Seite oder die Programmwebsite und nutze die Standortsuche
- Wende dich an deine Gewerkschaft (ver.di, IG Metall, NGG etc.) – viele Gewerkschaften kooperieren mit dem Kompass-Programm
- Frag bei der IHK oder HWK deiner Region nach – dort gibt es häufig ähnliche Weiterbildungsberatungen
- Kontaktiere regionale AZAV-zertifizierte Bildungsträger – manche betreiben Kompass-Stellen
- Volkshochschulen (VHS) und Bildungswerke der Gewerkschaften sind ebenfalls häufige Träger
Nach der Beratung hast du einen konkreten Weiterbildungsplan. Der nächste Schritt ist die Finanzierungsklärung – je nach Situation bei Arbeitgeber (§82 SGB III), Agentur für Arbeit (BGS) oder als Aufstiegs-BAföG-Antrag.
Kombination mit dem Bildungsgutschein und anderen Förderwegen
Kompass stellt selbst keine Fördermittel bereit – aber der Aktionsplan, den du nach der Beratung in der Hand hältst, ist ein wertvolles Hilfsmittel für andere Förderanträge:
Sandra, 41, Einzelhandelskauffrau, hat Angst vor der Digitalisierung in ihrer Branche. Nach der Kompass-Beratung hat sie ein klares Ziel: IT-Projektmanagement. Mit dem Aktionsplan aus der Kompass-Beratung geht sie zur Agentur für Arbeit und beantragt einen Bildungsgutschein. Der fertige Plan wirkt überzeugend – der BGS wird genehmigt.
| Kompass-Ergebnis | Passender Förderweg | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Ziel: Aufstieg im Beruf | QCG §82 SGB III über Arbeitgeber | Gespräch mit Arbeitgeber führen |
| Ziel: Berufswechsel, aktuell beschäftigt | BGS bei drohender Arbeitslosigkeit | Agentur für Arbeit aufsuchen |
| Ziel: Meisterqualifikation | Aufstiegs-BAföG | Landesbehörde kontaktieren |
| Ziel: Kurze Zusatzqualifikation | Bildungsprämie oder Eigenfinanzierung | Bildungsprämie-Stelle aufsuchen |
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kompass-Programm?
Kompass ist ein Beratungsprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) für Menschen an beruflichen Übergängen. Es bietet kostenlose, neutrale Beratung ohne Bindung an bestimmte Kurse oder Träger – mit Kompetenzanalyse und Aktionsplan.
Ist das Kompass-Programm kostenlos?
Ja, die Beratung ist für alle Teilnehmenden vollständig kostenlos. Das Programm wird vom BMAS finanziert.
Wer kann Kompass nutzen?
Menschen in beruflichen Übergangssituationen – Beschäftigte, die umsteuern wollen, Personen nach Elternzeit, Geringqualifizierte. Nicht geeignet für bereits Arbeitslose oder Studierende.
Wie lange dauert die Kompass-Beratung?
In der Regel mehrere Sitzungen à 60–90 Minuten. Der genaue Umfang hängt von der Beratungsstelle und der persönlichen Situation ab.
Kann ich durch Kompass einen Bildungsgutschein bekommen?
Nein. Kompass-Berater können keinen Bildungsgutschein ausstellen. Den BGS bekommst du bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Den Kompass-Aktionsplan kannst du als Grundlage mitbringen – er macht den Antrag überzeugender.
Erfährt mein Arbeitgeber von der Kompass-Beratung?
Nein. Die Beratung ist vertraulich. Dein Arbeitgeber wird nicht informiert.
Wie finde ich eine Kompass-Beratungsstelle?
Über die offizielle BMAS-Programmwebsite, bei Gewerkschaften (ver.di, IG Metall), bei IHK/HWK oder über regionale AZAV-zertifizierte Bildungsträger. Seit 2021 sind auch Videoberatungen möglich.
Was ist der Unterschied zwischen Kompass und der Agentur für Arbeit?
Kompass richtet sich an Beschäftigte und bietet tiefgehende, neutrale Beratung mit Kompetenzanalyse. Die Agentur für Arbeit ist für Arbeitslose und Bedrohte und kann Fördermittel (BGS) ausstellen, aber die Beratungstiefe ist geringer.
Was ist der ProfilPASS?
Der ProfilPASS ist ein strukturiertes Analyse-Tool, das in der Kompass-Beratung eingesetzt wird. Er hilft dabei, formale und informelle Kompetenzen sichtbar zu machen – also auch das, was man im Job gelernt hat, aber nie zertifiziert wurde.
Was passiert nach der Kompass-Beratung?
Du erhältst einen Aktionsplan mit Weiterbildungsempfehlungen und Finanzierungsoptionen. Der nächste Schritt ist die Klärung der Förderung – beim Arbeitgeber (§82 SGB III), der Agentur für Arbeit (BGS) oder über das Aufstiegs-BAföG.
Gibt es Kompass auch online?
Ja, viele Beratungsstellen bieten seit 2021 Videoberatung an. Du musst die Beratung nicht zwingend in Präsenz wahrnehmen.
Welche Berufsgruppen profitieren besonders von Kompass?
Besonders Beschäftigte in Branchen im Wandel (Industrie, Handel, Logistik), Personen über 45 Jahre, Geringqualifizierte und Menschen nach langen Erwerbspausen profitieren besonders von der strukturierten Beratung.
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