Arbeitslos zu sein ist eine Herausforderung – aber auch eine Chance. Eine berufliche Neuqualifizierung kann der schnellste Weg zurück in einen sicheren, gut bezahlten Job sein. Ob Umschulung, Weiterbildung oder Teilqualifikation (TQ): Mit der richtigen Strategie und Finanzierung, z. B. über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters, gelingt der Neuanfang.
In diesem Leitfaden erfährst du alles, was du wissen musst: Welche Optionen es gibt, wie die Förderung funktioniert, welche Branchen 2025 einstellen – und wie du Schritt für Schritt vorgehst, um deine Neuqualifizierung bewilligt zu bekommen.
Was bedeutet berufliche Neuqualifizierung?
Unter beruflicher Neuqualifizierung versteht man den systematischen Erwerb neuer, arbeitsmarktrelevanter Kompetenzen, um in einen anderen Beruf oder eine neue Branche zu wechseln. Für Arbeitslose ist sie besonders wichtig, wenn der bisherige Beruf keine Perspektive mehr bietet oder ein Quereinstieg in einen zukunftssicheren Bereich angestrebt wird.
Typische Ziele einer Neuqualifizierung sind:
Berufswechsel in Wachstumsbranchen (z. B. IT, Pflege, Erneuerbare Energien)
Abschluss nachholen (z. B. IHK-Abschluss über Externenprüfung)
Digitale Kompetenzen erwerben (z. B. Datenanalyse, Cloud, E-Commerce)
Beschäftigungsfähigkeit erhöhen und schnell wieder in Arbeit kommen
Vorteile & Chancen am Arbeitsmarkt 2025
Der deutsche Arbeitsmarkt verändert sich rasant. Gleichzeitig gibt es in vielen Bereichen einen Fachkräftemangel. Wer sich jetzt gezielt neu qualifiziert, hat sehr gute Einstiegs- und Aufstiegschancen.
Deine Vorteile auf einen Blick:
Hohe Vermittlungschancen in Engpassberufen
Förderung übernimmt in vielen Fällen Kurskosten, Prüfung, Fahrt, Unterkunft & Kinderbetreuung
Anerkannte Zertifikate (z. B. IHK, HWK, Hersteller-Zertifikate wie AWS, SAP, Cisco)
Planbarer Wiedereinstieg mit klarer Zeitlinie
Einkommenssprung durch Qualifikationswechsel
Wege der Neuqualifizierung: Umschulung, Weiterbildung, TQ & mehr
Je nach Ausgangssituation kommen unterschiedliche Wege infrage:
1) Umschulung (verkürzte Ausbildung)
Für Personen ohne verwertbaren Berufsabschluss oder mit veraltetem Profil. Dauer meist 12–24 Monate, endet oft mit IHK-/HWK-Abschluss. Häufige Umschulungen: Kaufmann/-frau für E-Commerce, Fachinformatiker/-in, Kaufmann/-frau für Büromanagement, Fachkraft Lagerlogistik.
2) Weiterbildungen (3–12 Monate)
Gezielte Kompetenzerweiterung für den schnellen Wiedereinstieg, z. B.:
IT & Data: Data Analyst, Cloud Fundamentals (AWS/Azure), IT-Support
Office & Buchhaltung: DATEV, Lohn & Gehalt, MS Office Expert
Handwerk: SHK, Elektro, Metall – mit starker Auftragslage
Kaufmännisch: Buchhaltung, E-Commerce, Vertrieb, Customer Support
Fördermöglichkeiten: Bildungsgutschein, AVGS & weitere Leistungen
Für Arbeitslose sind die wichtigsten Förderinstrumente der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters:
Bildungsgutschein (§ 81 SGB III)
Der Bildungsgutschein finanziert AZAV-zertifizierte Umschulungen und Weiterbildungen. Abgedeckt werden je nach Fall:
Kurs- und Prüfungsgebühren
Fahrtkosten, ggf. Unterkunft
Lehrmittel, Arbeitskleidung
Betreuungskosten für Kinder
Wichtig: Der Kurs muss AZAV-zertifiziert sein und zu deinem Vermittlungsziel passen.
AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein)
Finanziert Coachings, Bewerbungs- und Vermittlungsmaßnahmen sowie betriebliche Erprobungen (Praktika). Gut, um Eignung zu testen oder Bewerbungsstrategie zu schärfen.
Weitere Leistungen (je nach Situation)
Weiterbildungsgeld für bestimmte Qualifizierungen
Fahrkosten, Kinderbetreuung, Unterkunft bei auswärtigen Maßnahmen
Prämien für Zwischen- und Abschlussprüfungen bei Umschulungen (regional unterschiedlich)
Sprich deine Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter frühzeitig an und lass dich zu deiner individuellen Fördersituation beraten.
Schritt-für-Schritt: So bekommst du die Förderung bewilligt
Profil klären
Welche Stärken, Interessen, Vorwissen hast du?
Welche Tätigkeiten fallen dir leicht, was motiviert dich?
Arbeitsmarktrecherche
Sammle 5–10 relevante Stellenanzeigen des Zielberufs in deiner Region.
Markiere geforderte Skills & Zertifikate.
Kurse vergleichen
Suche AZAV-zertifizierte Kurse, die genau diese Skills vermitteln.
Achte auf Abschluss (z. B. IHK), Dauer, Starttermine, Praxisanteile, Jobplacement.
Anbieter-Angebote einholen
Lass dir unverbindliche Angebote mit Maßnahmennummer, Kosten und Inhalten zusenden.
Ohne Arbeitsmarktrecherche in den Termin – Belege immer Bedarf & Stellensituation.
Unklare Ziele – definiere ein konkretes Berufsziel und passenden Kurs.
Falscher Anbieter – wähle nur AZAV-zertifizierte, gut bewertete Träger.
Zu breite Kurse – fokussiere auf geforderte Skills aus realen Stellenausschreibungen.
Verspätete Antragstellung – sichere dir rechtzeitig Starttermine und Plätze.
FAQ: Häufige Fragen zur beruflichen Neuqualifizierung bei Arbeitslosigkeit
Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein?
Ein Bildungsgutschein ist eine Ermessensleistung. Er wird meist bewilligt, wenn die Maßnahme deine Vermittlungschancen deutlich verbessert und der Arbeitsmarkt den Bedarf bestätigt. Sprich mit deiner Ansprechperson bei Agentur/Jobcenter.
Wie lange dauert eine Umschulung?
Typisch sind 12–24 Monate inklusive Prüfung. Weiterbildungen dauern oft 3–9 Monate, Teilqualifikationen 8–16 Wochen je Modul.
Kann ich eine Weiterbildung in Teilzeit absolvieren?
Viele Anbieter führen Teilzeit- oder Hybrid-Modelle. Kläre früh, ob dein Favorit entsprechend geplant ist und förderfähig bleibt.
Wird Kinderbetreuung übernommen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen können Betreuungskosten gefördert werden. Details klärst du mit deiner Ansprechperson.
Was, wenn ich unsicher bin, welcher Beruf passt?
Nutze Eignungstests, Kurzcoachings (AVGS) und unverbindliche Beratungsgespräche mit Anbietern. Auch eine betriebliche Erprobung kann helfen.
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Hinweis: Rahmenbedingungen und Förderungen können regional variieren. Verbindliche Auskünfte erteilt deine Agentur für Arbeit bzw. dein Jobcenter.
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