Arbeitslos? Weiterbildung ohne Eigenanteil – so sicherst du dir 100% Förderung
Du bist arbeitslos und suchst eine Weiterbildung ohne Eigenanteil? Gute Nachrichten: In Deutschland kannst du mit dem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters deine Qualifizierung zu 100% fördern lassen – inklusive Kursgebühren, Prüfungen und je nach Einzelfall weiteren Kosten. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du die Förderung bekommst, welche Voraussetzungen gelten und wie du deine Chancen auf Bewilligung maximierst.
Das Wichtigste in Kürze
- 100% Förderung ohne Eigenanteil ist mit einem Bildungsgutschein möglich.
- Förderfähig sind AZAV-zertifizierte Kurse, z. B. Umschulungen, berufsbezogene Weiterbildungen, Teilqualifikationen oder Zertifikatskurse.
- Neben Kurskosten können Prüfungsgebühren, Fahrtkosten und ggf. Unterkunft/Verpflegung, Arbeitsmittel und Kinderbetreuungskosten übernommen werden (Ermessensleistung).
- Bei Bürgergeld-Bezug sind Weiterbildungsgeld (150 €) für berufsabschlussbezogene Qualifizierungen und ein Bürgergeld-Bonus (75 €) für längere Maßnahmen möglich.
- Kein Eigenanteil: Die Agentur/das Jobcenter zahlt direkt an den Bildungsträger.
Was bedeutet „Weiterbildung ohne Eigenanteil“?
„Ohne Eigenanteil“ heißt, dass du selbst nichts bezahlen musst. Die Finanzierung läuft – nach Bewilligung – vollständig über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dafür brauchst du in der Regel einen Bildungsgutschein. Dieser legt u. a. fest:
- Bildungsziel (z. B. Abschluss, Zertifikat, Berufsbild)
- Region (wo du die Maßnahme antreten darfst)
- Gültigkeitsdauer (bis wann du starten musst)
- Art der Maßnahme (Vollzeit/Teilzeit, Präsenz/online/hybrid)
Die wichtigsten Förderwege für Arbeitslose
1) Bildungsgutschein (SGB III/SGB II)
Der Bildungsgutschein ist das zentrale Instrument, um eine Weiterbildung ohne Eigenanteil zu erhalten. Er wird ausgegeben, wenn die Maßnahme notwendig ist, um dich beruflich einzugliedern, eine drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder einen fehlenden Berufsabschluss nachzuholen.
Damit eine Maßnahme förderfähig ist, muss der Anbieter AZAV-zertifiziert sein. Du findest passende Kurse z. B. im KURSNET der Bundesagentur für Arbeit.
2) AVGS – Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (Ergänzung)
Der AVGS finanziert in erster Linie Coachings, Bewerbungstrainings und kurze Aktivierungsmaßnahmen. Für längere, abschlussorientierte Weiterbildungen ist der Bildungsgutschein das richtige Instrument.
Welche Kosten werden übernommen?
Mit Bildungsgutschein ist eine vollständige Kostenübernahme möglich. Dazu zählen in der Regel:
- Kurs- und Maßnahmekosten (Unterricht, Lehrmaterialien, ggf. digitale Lernumgebung)
- Prüfungsgebühren (z. B. IHK/HWK)
- Fahrtkosten (nach Maßgabe der Träger; Pauschalen sind möglich)
- Auswärtige Unterbringung/Verpflegung (wenn zwingend erforderlich)
- Arbeitsmittel (falls die Maßnahme sie zwingend erfordert)
- Kinderbetreuungskosten (im Einzelfall, wenn notwendig und bewilligt)
Wichtig: Die genauen Regelungen variieren je nach Einzelfall und Träger. Sprich die Details vorab mit deiner Ansprechperson.
Zusätzliche finanzielle Anreize
- Weiterbildungsgeld (150 €/Monat) für berufsabschlussbezogene Weiterbildungen – bei Bürgergeld-Bezug, in vielen Fällen auch bei Förderung über die Agentur für Arbeit. Details klärst du mit deiner Vermittlungsfachkraft.
- Bürgergeld-Bonus (75 €/Monat) für Maßnahmen ab 8 Wochen, die die Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen.
Hinweis: Frühere Prämien für Zwischen- und Abschlussprüfungen wurden inzwischen weitgehend durch die oben genannten Zahlungen abgelöst. Prüfe stets den aktuellen Stand bei Agentur/Jobcenter.
Welche Weiterbildungen kommen infrage?
Förderfähig sind insbesondere Maßnahmen, die deine Vermittlungschancen deutlich erhöhen. Beispiele:
- Umschulungen (i. d. R. 18–24 Monate, z. B. Kaufmann/-frau, Fachinformatik, Lagerlogistik)
- Teilqualifikationen (TQ) mit modularen, stapelbaren Bausteinen
- Zertifikatskurse (z. B. Buchhaltung mit DATEV, SAP, CAD, Projektmanagement, Online Marketing, IT-Zertifikate wie CompTIA, AWS, Cisco)
- Pflege- und Gesundheitsberufe, Erneuerbare Energien, Handwerk, Elektrotechnik
- Berufsbezogene Deutschkurse (DeuFöV) zur Sprach- und Fachsprachförderung
Format: Viele Maßnahmen gibt es in Vollzeit, Teilzeit, online oder hybrid. Achte darauf, dass das Format zu deiner Lebenssituation passt – das erhöht die Bewilligungschancen.
Voraussetzungen: Wer bekommt eine Weiterbildung ohne Eigenanteil?
- Arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht (z. B. befristeter Vertrag läuft aus, Kündigung droht)
- Fehlender oder veralteter Abschluss bzw. Qualifikationslücke
- Notwendigkeit der Weiterbildung für die berufliche Eingliederung (muss plausibel begründet sein)
- AZAV-zertifizierter Bildungsträger und passendes Bildungsziel
So bekommst du den Bildungsgutschein: Schritt-für-Schritt
- Arbeitsuchend/arbeitslos melden
Rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit/Jobcenter melden und Termin vereinbaren.
- Berufsziele klären
Definiere dein Ziel (z. B. „Einstieg in Buchhaltung mit DATEV-Zertifikat“ oder „Umschulung zur Fachinformatik“).
- Kurse recherchieren
Finde AZAV-zertifizierte Angebote im KURSNET und über seriöse Vergleichsportale.
- Anbieter anfragen
Lass dir Kursinfos, AZAV-Nachweise, Starttermine und eine individuelle Eignungsberatung geben.
- Begründung vorbereiten
Sammle Stellenanzeigen, in denen die Zielqualifikation gefragt ist, und argumentiere mit Arbeitsmarktrelevanz, Realismus, Vereinbarkeit (Kinderbetreuung, Teilzeit) und persönlicher Eignung.
- Beratungsgespräch
Präsentiere dein Vorhaben, belege die Notwendigkeit und kläre offene Fragen (Dauer, Format, Kosten).
- Bildungsgutschein erhalten
Prüfe Gültigkeit, Region, Bildungsziel und Frist. Lass ggf. Anpassungen vornehmen.
- Teilnahme verbindlich machen
Melde dich beim Träger an und reiche den Gutschein fristgerecht ein.
Dokumenten-Checkliste für deinen Antrag
- Aktueller Lebenslauf mit Schwerpunkt auf relevanten Erfahrungen
- Zeugnisse/Zertifikate (Schule, Ausbildung, Studium, Fortbildungen)
- Mindestens 5–10 Stellenanzeigen, die deine Zielqualifikation verlangen
- Kursbeschreibung/-angebot mit AZAV-Hinweis, Inhalten, Dauer, Format, Startterminen
- Begründungsschreiben: Warum diese Weiterbildung? Warum jetzt? Warum du?
- Falls relevant: Betreuungsnachweis für Kinder, ärztliche Bescheinigungen (z. B. für Teilzeitbedarf)
So begründest du „Notwendigkeit“ und „Vermittlungschancen“
Dein Ziel ist, der Vermittlungsfachkraft zu zeigen, dass die Weiterbildung konkret in Arbeit führt. Nutze dafür:
- Arbeitsmarktbezug: „In meiner Region gibt es X offene Stellen für Y. 8 von 10 Anzeigen verlangen Zertifikat Z.“
- Qualifikationslücke: „Ich erfülle alle Anforderungen außer Z. Der Kurs schließt genau diese Lücke.“
- Realistische Planung: „Teilzeit/Hybrid ermöglicht Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung. Fahrzeit max. 30 Min.“
- Eignung: „Vorerfahrung A, Motivation B, positive Eignungsberatung des Trägers liegt vor.“
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Unscharfes Ziel: „Irgendeine IT-Weiterbildung“ reicht nicht. Sei spezifisch.
- Kein Arbeitsmarktnachweis: Sammle relevante Stellenanzeigen als Beleg.
- Nicht-AZAV-zertifizierte Anbieter: Diese sind nicht förderfähig.
- Unpassendes Format: Plane realistisch (Betreuung, Fahrzeiten, gesundheitliche Aspekte).
- Fristen übersehen: Bildungsgutscheine haben eine Gültigkeitsfrist – rechtzeitig starten.
Rechte und Pflichten während der geförderten Weiterbildung
- Teilnahmepflicht und regelmäßige Anwesenheit.
- Nachweise (z. B. Anwesenheitslisten, Lernfortschritt) müssen geführt werden.
- Kommunikation bei Krankheit oder Hinderungsgründen sofort an Träger und Agentur/Jobcenter.
- Bei Verstößen drohen Leistungskürzungen bzw. Sanktionen.
Häufige Fragen (FAQ)
Gibt es wirklich keine versteckten Kosten?
Bei bewilligtem Bildungsgutschein trägt der Leistungsträger die Maßnahmekosten vollständig. Zusätzliche Leistungen (Fahrt, Unterbringung, Kinderbetreuung, Arbeitsmittel) sind Einzelfallentscheidungen – kläre sie vorab.
Wie lange darf eine geförderte Weiterbildung dauern?
Von kurzen Zertifikaten (einige Wochen) bis zur Umschulung (18–24 Monate) ist vieles möglich – entscheidend ist die Notwendigkeit zur beruflichen Eingliederung.
Geht das auch in Teilzeit oder online?
Ja. Teilzeit-, Online- und Hybrid-Modelle sind förderfähig, sofern AZAV-zertifiziert und für dein Ziel geeignet.
Ich bekomme ALG I – gelten die finanziellen Anreize auch für mich?
Das Weiterbildungsgeld (150 €) ist primär für Bürgergeld-Beziehende vorgesehen, kann aber in ähnlicher Form auch bei Förderung über die Agentur für Arbeit gelten. Die konkrete Anwendung hängt vom Einzelfall ab – bitte direkt mit deiner Vermittlungsfachkraft klären.
Was, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Bitte um eine schriftliche Begründung und prüfe Widerspruchsmöglichkeiten. Schärfe deine Argumentation (Arbeitsmarktrelevanz, Eignung, Format) und suche ggf. eine Alternative (z. B. anderer Kurs, anderer Anbieter, Teilzeit statt Vollzeit).
Berufsfelder mit besonders guten Chancen
- IT & Data: Support, Systemintegration, Cloud-Zertifikate, Datenanalyse
- Kaufmännisch: Rechnungswesen, Lohn & Gehalt, SAP, E-Commerce
- Logistik & Lager: Staplerschein plus TQs, Disposition, Zoll
- Gesundheit & Pflege: Pflegebasics, Betreuung, medizinische Assistenz
- Erneuerbare Energien: Photovoltaik, Wärmepumpe, Energieberatung
- Handwerk/Technik: Elektrogrundlagen, CNC, Mechatronik-Bausteine
Praxis-Tipp: So überzeugst du im Beratungsgespräch
Nutze diese Struktur:
- Ausgangslage: „Ich bin seit X Monaten arbeitslos, letzter Job: Y.“
- Zielrolle: „Ich strebe Position Z an (Beispiele aus Stellenanzeigen).“
- Lücke: „Es fehlt mir Qualifikation A/B (Belege: Anforderungen in Anzeigen).“
- Lösung: „Die Maßnahme C schließt die Lücke (Inhalte, Zertifikat, Dauer).“
- Machbarkeit: „Teilzeit/online möglich, Kinderbetreuung gesichert, Anreise 25 Min.“
- Nachweis: „AZAV-Zertifizierung liegt vor, Starttermin in 4 Wochen.“
Wichtige Formalien & Fristen
- Gutschein prüfen: Stimmt Bildungsziel, Region, Gültigkeit?
- Startfrist beachten: Rechtzeitig anmelden und Gutschein beim Träger einreichen.
- Absprachen schriftlich fixieren (z. B. Übernahme von Fahrt-/Kinderbetreuungskosten).
Fazit: Weiterbildung ohne Eigenanteil ist machbar – wenn du strukturiert vorgehst
Mit einem Bildungsgutschein kannst du als Arbeitslose:r eine Weiterbildung ohne Eigenanteil absolvieren. Entscheidend sind Arbeitsmarktrelevanz, passgenaue Kurswahl, AZAV-Zertifizierung und eine gute Begründung. Nutze Checklisten, sammle Stellenanzeigen und bereite dein Gespräch professionell vor – dann stehen die Chancen auf 100% Förderung sehr gut.
Jetzt passende, geförderte Weiterbildungen finden – kostenlos vergleichen
Spare Zeit und Nerven: Auf der kostenlosen Vergleichsplattform von Careertune findest du schnell passende, AZAV-zertifizierte Weiterbildungen und Umschulungen mit 100% Förderoption – transparent und ohne Werbung.
- Intelligente Filter: Förderung (Bildungsgutschein), Dauer, Start, Format (online/teilzeit), Fachgebiet
- Nur seriöse Anbieter: AZAV-geprüft, mit Kursdetails und Startterminen
- Zeitsparend: Angebote vergleichen, Unterlagen-Checkliste nutzen, auf Wunsch Beratungstermin sichern
- Kostenlos & unverbindlich
Jetzt zu app.careertune.de – finde in Minuten deine geförderte Weiterbildung ohne Eigenanteil.
Rechtlicher Hinweis: Alle Angaben wurden mit größter Sorgfalt erstellt, ersetzen jedoch keine individuelle Beratung durch Agentur für Arbeit oder Jobcenter. Fördervoraussetzungen und Leistungen sind Ermessenssache und können sich ändern.