Dec 18, 2025

Berufliche Neuqualifizierung über das Arbeitsamt: Bildungsgutschein, Umschulung & Förderung 2025

Berufliche Neuqualifizierung über das Arbeitsamt: Bildungsgutschein, Umschulung & Förderung 2025

Berufliche Neuqualifizierung über das Arbeitsamt: So erhalten Sie Förderung, Bildungsgutschein & die passende Umschulung

Berufliche Neuqualifizierung Arbeitsamt – wer sich neu ausrichten, einen anerkannten Berufsabschluss nachholen oder in einen Engpassberuf wechseln will, kann sich von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter umfassend fördern lassen. In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die passende Maßnahme finden, welche Kosten wirklich übernommen werden und wie Sie Ihren Bildungsgutschein überzeugend beantragen.

1) Was bedeutet berufliche Neuqualifizierung?

Unter beruflicher Neuqualifizierung versteht man eine abschlussorientierte oder modulare Qualifizierung, die auf einen (neuen) marktfähigen Beruf vorbereitet. Typische Wege:

  • Umschulung (meist 16–24 Monate, z. B. IHK-/HWK-Abschluss)
  • Teilqualifikationen (TQ) in Modulen mit späterer Option, zum Vollabschluss aufzubauen
  • Externenprüfung (Vorbereitung auf Kammerprüfung, wenn ausreichend Berufspraxis vorhanden ist)
  • Anpassungsqualifizierung (kürzere Weiterbildung, wenn vorhandene Skills aktualisiert werden)

Ziel ist, die Beschäftigungsfähigkeit in Berufen mit hoher Nachfrage zu sichern oder wiederherzustellen – etwa nach Branchenwandel, gesundheitlichen Gründen oder längerer Erwerbspause.

2) Wer fördert: Arbeitsamt oder Jobcenter?

Förderung ist in beiden Rechtskreisen möglich:

  • Agentur für Arbeit (SGB III): Zuständig u. a. bei Arbeitslosengeld I, drohender Arbeitslosigkeit, fehlendem Berufsabschluss oder notwendiger Anpassung an den Arbeitsmarkt.
  • Jobcenter (SGB II/Bürgergeld): Zuständig bei Bürgergeldbezug; fördert Neuqualifizierung z. B. per Bildungsgutschein und zusätzlichen Geldleistungen.

Wichtig: Beide Stellen können einen Bildungsgutschein ausstellen, wenn die Maßnahme notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden, zu verhindern oder einen Abschluss zu erlangen.

3) Voraussetzungen und gute Chancen auf Förderung

Gute Förderchancen haben Sie, wenn mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Kein anerkannter Berufsabschluss oder Abschluss liegt lange zurück und ist am Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar.
  • Drohende oder bestehende Arbeitslosigkeit (z. B. nach Kündigung, in Kurzarbeit mit absehbarem Stellenabbau).
  • Gesundheitliche Gründe, die einen Berufswechsel erfordern (mit ärztlicher Bescheinigung).
  • Strukturwandel in der Branche (Digitalisierung, Energiewende), der eine Neuorientierung nötig macht.
  • Längere Erwerbsunterbrechung (z. B. Elternzeit, Pflegezeit, Erkrankung) mit Wiedereinstiegsziel.

Zusätzlich zählt immer: gute Arbeitsmarktprognose für das neue Berufsziel und überzeugende Motivation im Beratungsgespräch.

4) Förderungen im Überblick (Bildungsgutschein, Geldleistungen)

Bildungsgutschein (SGB II/III) ist das zentrale Instrument. Er legt fest:

  • Bildungsziel (z. B. Umschulung Kaufmann/-frau für Büromanagement IHK)
  • Geltungsbereich (regional/überregional)
  • Dauer und spätester Beginn
  • Voraussetzungen (z. B. Sprachniveau, Eignungstest)

Folgende Kosten können übernommen werden (je nach Einzelfall und Rechtsgrundlage):

  • Lehrgangsgebühren und Prüfungsgebühren
  • Lernmittel und ggf. notwendige Arbeitsmittel
  • Fahrtkosten, bei weiter Entfernung ggf. Unterkunftskosten
  • Kinderbetreuungskosten in angemessenem Rahmen

Geldleistungen (Stand 2025):

  • Weiterbildungsgeld: 150 Euro/Monat für die Teilnahme an einer berufsabschlussbezogenen Weiterbildung (z. B. Umschulung). Gilt in der Regel für SGB II und SGB III.
  • Bürgergeld-Bonus: 75 Euro/Monat für längerfristige, nicht abschlussbezogene Weiterbildungen (SGB II), wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Prämien bei Abschlussprüfungen: Für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen abschlussbezogener Weiterbildungen können Prämien (z. B. 1.000 Euro + 1.500 Euro) gewährt werden, sofern die jeweilige Regelung aktuell gilt und die Maßnahme gefördert ist.

Hinweis: Ob und in welcher Höhe Leistungen gewährt werden, entscheidet die zuständige Stelle im Rahmen der geltenden Rechtslage. Lassen Sie sich dazu individuell beraten.

5) Antragstellung in 7 Schritten

  1. Ziel klären: Welcher Beruf passt zu Ihren Stärken, Interessen und Ihrer Lebenssituation? Prüfen Sie Stellenanzeigen und Engpassberufe.
  2. Beratungstermin vereinbaren: Agentur für Arbeit oder Jobcenter kontaktieren und Anliegen „berufliche Neuqualifizierung mit Bildungsgutschein“ schildern.
  3. Geeignete Maßnahme finden: AZAV-zertifizierte Angebote recherchieren (Präsenz/online/hybrid, Dauer, Starttermine, Praktika, Kammerprüfung).
  4. Kostenvoranschlag & Kursinfos einholen: Vom Bildungsträger benötigen Sie Angebot, Maßnahmennummer, Lehrplan, Dauer und Kosten.
  5. Unterlagen vorbereiten (siehe Checkliste): Lebenslauf, Nachweise, Stellenrecherchen, ärztliche Gutachten (falls relevant).
  6. Beratungsgespräch führen: Bedarf begründen (Arbeitsmarktchancen, gesundheitliche Gründe, Anschlussfähigkeit). Bildungsgutschein beantragen.
  7. Bewilligung & Start: Nach Bewilligung Bildungsgutschein beim Träger einlösen, Vertrag schließen und pünktlich starten.

6) Checkliste: Unterlagen für das Beratungsgespräch

  • Aktueller Lebenslauf mit Aufgaben, Tools, Projekten
  • Zeugnisse (Schule, Ausbildung/Studium), Arbeitszeugnisse
  • Nachweis Motivation & Arbeitsmarkt: relevante Stellenanzeigen, Engpasslisten, Branchenreports
  • Kursunterlagen: Lehrplan, AZAV-Nachweis, Maßnahmennummer, Kostenübersicht
  • Betreuungs-/Zeitplanung: Kinderbetreuung, Fahrzeiten, Verfügbarkeit
  • Medizinische Unterlagen (falls beruflicher Wechsel aus gesundheitlichen Gründen nötig ist)

7) So wählen Sie die richtige Maßnahme und den Träger

Achten Sie bei der Auswahl auf:

  • AZAV-Zertifizierung des Trägers und der Maßnahme (Fördervoraussetzung)
  • Abschlussart: Führt der Weg zu einem IHK-/HWK-Abschluss oder zu anerkannten Teilqualifikationen mit Perspektive auf den Vollabschluss?
  • Lernform: Präsenz, online, hybrid – passt das Format zu Ihrem Alltag?
  • Praxisanteile und Prüfungsvorbereitung (Quote bestandener Prüfungen erfragen)
  • Arbeitsmarkt: Vermittlungsquote, Netzwerk zu Betrieben, Praktikumsoptionen
  • Support: Lerncoaching, Bewerbungstraining, Techniksupport

Tipp: Lassen Sie sich mehrere Angebote machen und vergleichen Sie Inhalte, Dauer, Starttermine, Betreuung und Erfolgsquoten.

8) Dauer & Ablauf: Umschulung, Teilqualifikationen, Externenprüfung

  • Umschulung: Meist 16–24 Monate (verkürzt bei Vorerfahrung). Abschluss über IHK/HWK. Inklusive Theorie, Praxisphasen/Praktikum und Prüfungsvorbereitung.
  • Teilqualifikationen (TQ): Module von ca. 3–6 Monaten pro Baustein, zertifizierte Teilabschlüsse mit Anschlussoption zum Vollabschluss.
  • Externenprüfung: Vorbereitung über kürzere Kurse möglich, wenn ausreichende einschlägige Berufspraxis nachweisbar ist (i. d. R. 4,5–6 Jahre, je nach Kammer).

Formate: Vollzeit, Teilzeit, berufsbegleitend, online/hybrid. Prüfungen finden bei Kammern in der Regel in Präsenz statt.

9) Branchen mit Top-Perspektiven 2025

  • IT & Digitalisierung: Fachinformatiker/-in (Anwendungsentwicklung/Systemintegration), IT-Systemelektroniker/-in, Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement.
  • Gesundheit & Pflege: Pflegefachassistenz, Heilerziehungspflegehilfe, medizinische Fachangestellte – vielfach Engpassberufe.
  • Erneuerbare Energien & SHK: Elektroniker/-in Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker/-in SHK, Servicetechniker/-in Photovoltaik.
  • Logistik & Verkehr: Fachlagerist/-in, Fachkraft Lagerlogistik, Berufskraftfahrer/-in (mit Zusatzqualifikationen).
  • Kaufmännische Berufe & E-Commerce: Kaufmann/-frau für Büromanagement, E-Commerce, Groß- und Außenhandelsmanagement.
  • Industrie & Metall: Zerspanungsmechaniker/-in, Industriemechaniker/-in, Mechatroniker/-in.

Tipp: Prüfen Sie regionale Engpassberufe der Bundesagentur für Arbeit und sprechen Sie diese im Beratungsgespräch aktiv an.

10) Spezielle Zielgruppen

Ü50

  • Stärkenfokus: Erfahrung, Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft betonen.
  • Teilverkürzung prüfen (Anrechnung von Vorerfahrung).
  • Gesundheit: Berufe mit passendem Belastungsprofil wählen.

Eltern & Betreuungspflichten

  • Teilzeit-Modelle und online/hybrid bevorzugen.
  • Kinderbetreuungskosten können förderfähig sein.

Gesundheitliche Einschränkungen

  • Bei dauerhaft eingeschränkter Erwerbsfähigkeit ggf. LTA – Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (zuständig meist Deutsche Rentenversicherung, teils Agentur für Arbeit). Spezielle Reha-Träger und Maßnahmen verfügbar.

Migrantinnen & Migranten

  • Sprachniveau: Für abschlussorientierte Maßnahmen wird oft mindestens B2 empfohlen.
  • Anerkennung ausländischer Abschlüsse prüfen, ggf. Anpassungsqualifizierungen.

11) Häufige Fehler vermeiden

  • Start vor Bewilligung: Niemals einen Kurs beginnen, bevor der Bildungsgutschein ausgehändigt und akzeptiert wurde.
  • Fehlende AZAV: Nur zertifizierte Träger/Maßnahmen sind förderfähig.
  • Unklare Berufsperspektive: Ohne Arbeitsmarktnachweis sinken die Chancen.
  • Unrealistische Organisation: Kinderbetreuung, Fahrzeiten, Lernzeit realistisch planen.
  • Schwache Begründung: Motivation, Eignung, gesundheitliche Eignung (falls relevant) klar darlegen.

12) FAQ: Häufige Fragen zur beruflichen Neuqualifizierung

1. Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsamt und Jobcenter?
Die Agentur für Arbeit (SGB III) betreut u. a. ALG-I-Beziehende, das Jobcenter (SGB II) Bürgergeld-Beziehende. Beide können den Bildungsgutschein ausstellen.

2. Wer entscheidet, ob ich eine Umschulung machen darf?
Ihre Ansprechperson bei Agentur/Jobcenter. Entscheidend sind Notwendigkeit, Eignung und Arbeitsmarktchancen.

3. Welche Kosten werden übernommen?
In der Regel Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie je nach Fall Lernmittel, Fahrt-, Kinderbetreuungs- und ggf. Unterkunftskosten. Individuelle Entscheidung.

4. Bekomme ich zusätzlich Geld?
Je nach Maßnahme und Rechtskreis können Weiterbildungsgeld (150 €/Monat bei abschlussbezogenen Maßnahmen) und weitere Leistungen/Prämien möglich sein – abhängig von aktueller Rechtslage.

5. Wie lange dauert eine Umschulung?
Typisch 16–24 Monate, verkürzbar bei Vorerfahrung. TQ-Module sind kürzer und bauen schrittweise auf.

6. Kann ich die Maßnahme online absolvieren?
Viele Inhalte gehen online/hybrid. Prüfungen (z. B. IHK/HWK) erfolgen meist in Präsenz.

7. Was, wenn ich bereits berufstätig bin?
Für Beschäftigte gibt es Förderungen nach dem Qualifizierungsförderungsrecht (z. B. über den Arbeitgeber). Sprechen Sie zusätzlich mit der Agentur für Arbeit über Optionen.

8. Was, wenn ich mir unsicher bin, welcher Beruf passt?
Nutzen Sie Berufsberatung, Eignungstests und vergleichen Sie Kurse/Abschlüsse mit guten Jobchancen.

13) Fazit & kostenlos vergleichen

Berufliche Neuqualifizierung über das Arbeitsamt ist der effektivste Weg, um mit Bildungsgutschein eine tragfähige Perspektive aufzubauen – ob Umschulung, Teilqualifikationen oder Externenprüfung. Entscheidend sind eine solide Begründung, ein zertifizierter Träger und ein klares Arbeitsmarktziel.

Kostenlos vergleichen auf Careertune: Auf unserer Plattform finden Sie in wenigen Klicks passende, geförderte Weiterbildungen und Umschulungen – inkl. Filter nach Ort, Online/Hybrid, Dauer, Starttermin, AZAV-Zertifizierung und Abschluss. Jetzt starten unter app.careertune.de und Angebote vergleichen, Zeit sparen und die beste geförderte Maßnahme finden.

Folge uns auf:

Hör auf, nach deiner Traumweiterbildung zu suchen.
Fang an sie zu finden. Auf Careertune.

Komplett kostenlos
In nur 5min zur Traumweiterbildung
Intelligente Vorschläge anhand deiner Interessen