Qualifizierung arbeitslos: So bekommst du eine geförderte Weiterbildung oder Umschulung (inkl. Bildungsgutschein, AVGS & Praxis-Tipps)
Arbeitslosigkeit kann der Startschuss für einen echten Neuanfang sein. Mit der richtigen Qualifizierung erhöhst du deine Chancen auf einen stabilen, gut bezahlten Job – oft vollständig gefördert durch Agentur für Arbeit oder Jobcenter. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du die passende Weiterbildung findest, Förderungen wie den Bildungsgutschein sicherst und welche Berufe aktuell besonders gefragt sind.
Was bedeutet „Qualifizierung“ bei Arbeitslosigkeit?
Unter Qualifizierung versteht man alle Maßnahmen, die deine beruflichen Fähigkeiten gezielt ausbauen: von kurzen Kompetenztrainings über zertifizierte Weiterbildungen bis hin zu Umschulungen mit anerkanntem Abschluss (z. B. IHK/HWK). Ziel ist, deine Vermittlungschancen deutlich zu verbessern.
- Weiterbildung: Aktualisierung und Erweiterung deiner vorhandenen Fähigkeiten (z. B. Digitalkompetenzen, SAP, Office, Sprachen).
- Umschulung: Vollqualifizierende Neuorientierung in einen anderen Beruf (meist 12–24 Monate, z. B. Kaufmann/-frau, Fachinformatiker/in).
- Teilqualifikation (TQ): Schrittweises Erwerben von Modulen eines Berufsbildes mit Option auf Abschluss.
- Externenprüfung: Direkter Berufsabschluss für Berufserfahrene ohne formalen Abschluss.
Fördermöglichkeiten: Wer übernimmt die Kosten?
Gute Nachricht: Für Arbeitslose gibt es umfangreiche staatliche Förderungen. Die wichtigsten Programme:
1) Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit/Jobcenter)
Der Bildungsgutschein ist die bekannteste Förderung nach §81 SGB III. Er deckt in der Regel die kompletten Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und oft auch Fahrtkosten, Kinderbetreuung oder Unterstützung bei auswärtiger Unterbringung. Voraussetzung: Die Maßnahme ist AZAV-zertifiziert und verbessert deine Chancen am Arbeitsmarkt.
2) AVGS – Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein
Mit dem AVGS finanzierst du Coachings, Bewerbungstrainings oder Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung. Ideal, wenn du Orientierung, Bewerbungshilfe oder Jobvermittlung brauchst.
3) Qualifizierungschancengesetz (auch für Beschäftigte)
Ermöglicht geförderte Weiterbildungen – auch wenn du bereits beschäftigt bist oder in eine Weiterbeschäftigung nach Qualifizierung einsteigen willst. Gerade in Berufen mit strukturellem Wandel (Digitalisierung).
4) Teilqualifikationen & Externenprüfung
Für Personen ohne Berufsabschluss oder mit abgebrochenen Ausbildungen sind TQs und die Externenprüfung ideale Wege, schrittweise zu einem vollwertigen Abschluss zu gelangen – häufig mit finanzieller Unterstützung.
5) Weiterbildungsprämien & Zuschüsse
- Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen (bei Umschulungen je nach Programmstand).
- Lehrmittel-, Fahr- und Betreuungskosten können übernommen werden.
Tipp: Sprich mit deinem Berater/ deiner Beraterin bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter. Je klarer dein Ziel, desto höher die Chance auf Förderung.
Voraussetzungen: Wann bekommst du eine Förderung?
Ob Arbeitslosengeld I, Bürgergeld oder arbeitssuchend – entscheidend ist die Vermittlungsperspektive. Häufige Kriterien:
- Die Qualifizierung ist arbeitsmarktrelevant und führt voraussichtlich in Arbeit.
- Du hast Lücken im Lebenslauf, fehlenden Abschluss oder veraltete Skills.
- Es liegt Fachkräftemangel im Zielberuf vor.
- Du bist motiviert und kannst die Maßnahme voraussichtlich erfolgreich abschließen (z. B. Sprachniveau, Grundkompetenzen).
- Der Träger ist AZAV-zertifiziert und die Maßnahme ist förderfähig.
So sicherst du dir die Förderung: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Profiling & Ziel definieren: Welche Stärken hast du? Welche Berufe passen? Welche Abschlüsse fehlen?
- Kursrecherche: Suche 2–3 passende, AZAV-zertifizierte Maßnahmen mit konkretem Jobziel.
- Unterlagen sammeln: Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise, ggf. Sprachzertifikate.
- Angebot vom Bildungsträger: Lass dir Kursbeschreibung, Dauer, Kosten, Maßnahmenummer und Arbeitsmarktrelevanz schriftlich geben.
- Termin beim Amt: Ziele vorstellen, Begründung liefern (Fachkräftemangel, Stellenanzeigen, Arbeitgeberfeedback).
- Antrag stellen: Bildungsgutschein bzw. AVGS beantragen – ideal mit mehreren Kursoptionen.
- Bescheid abwarten: Positiver Bescheid = Kursplatz sichern, Starttermin bestätigen.
- Start & Durchhalten: Lernplan, Unterstützung annehmen, regelmäßiges Feedback einholen.
Welche Kosten werden übernommen?
- Kursgebühren (inkl. Prüfungen, Lernplattformen)
- Prüfungsgebühren (IHK/HWK/SAP etc.)
- Fahrtkosten, ggf. Kinderbetreuung und Unterkunft bei auswärtiger Teilnahme
- Bei Umschulungen: ggf. Prämien für bestandene Teil- und Abschlussprüfungen
Dauer: Von 2–12 Wochen (Kurzqualifikationen) über 3–9 Monate (Weiterbildungen) bis 12–24 Monate (Umschulungen). Wichtig: Die Maßnahme muss zu deinem Profil und dem Zieljob passen.
Top-Branchen mit hoher Jobchance (2025/26)
- IT & Digital: Support, Systemadministration, Cloud (AWS, Azure), Data, Cybersecurity, Webentwicklung, Softwaretesten.
- Kaufmännisch & Office: Buchhaltung, Lohn & Gehalt, Controlling, Vertrieb/Inside Sales, E-Commerce, SAP S/4HANA.
- Logistik & Supply Chain: Disposition, Lager/Kommissionierung, Zoll/Export, Verkehrsplanung.
- Gesundheit & Pflege: Pflegefachassistenz, Betreuung, medizinische Verwaltung, Praxismanagement.
- Erziehung & Soziales: Sozialassistenz, Schulbegleitung, Integrationsarbeit.
- Handwerk & Technik: Elektro, SHK, Metall, CNC, Mechatronik, Qualitätsmanagement.
- Green Jobs & Energie: Erneuerbare Energien, Photovoltaik-Montage, Energiemanagement.
- Projekt- & Prozessmanagement: Scrum, PRINCE2, Lean, Six Sigma.
Qualifizierungsformen im direkten Vergleich
- Umschulung (IHK/HWK): Ideal für kompletten Berufswechsel; hohe Anerkennung, längere Dauer, sehr gute Integrationsquote.
- Zertifikats-Weiterbildung: Schneller Skill-Boost, gut für Wiedereinstieg und Jobwechsel innerhalb deiner Branche.
- Teilqualifikationen (TQ): Modularer Weg zum Berufsabschluss – gut planbar, auch für Personen mit Betreuungspflichten.
- Externenprüfung: Für Berufserfahrene ohne Abschluss – gezielt auf die Prüfung vorbereiten und Abschluss nachholen.
- Sprach- und Grundkompetenzen: Deutsch B1–C1, Mathe/IT-Basics – oft Voraussetzung für Fachqualifikationen.
Online, Präsenz oder Hybrid: Was passt besser?
- Online (virtuell): Maximale Flexibilität, spart Fahrtzeit; erfordert Selbstorganisation und stabile Technik.
- Präsenz: Feste Lernstruktur, direkter Austausch; gut für praxisintensive Inhalte.
- Hybrid: Kombination aus beidem – beliebt für berufsbegleitende oder familienfreundliche Modelle.
Den besten Bildungsträger auswählen: Checkliste
- AZAV-Zertifizierung und Maßnahmenummer vorhanden
- Abschlüsse/Zertifikate mit Arbeitsmarktwert (IHK, HWK, SAP, Microsoft, AWS, Cisco, PMI/PRINCE2)
- Dozentenqualität, Praxisbezug, reale Übungen/Projekte
- Vermittlungsquote und Arbeitgebernetzwerk
- Support: Prüfungsvorbereitung, Bewerbungscoaching, Jobservice
- Flexibilität: Starttermine, Lernform, Nachhol- und Prüfungsoptionen
Bewerbung und Jobeinstieg nach der Qualifizierung
- Lebenslauf aktualisieren: Relevante Skills, Tools, Zertifikate prominent platzieren.
- Portfolio/Projektmappe: Sichtbare Ergebnisse (Code, Reports, Cases, Prozessdiagramme).
- Praktikum/Probezeit: Türöffner – häufig direkt in Festanstellung.
- Netzwerk: LinkedIn/XING, Meetups, Kammern, Trägerkontakte aktiv nutzen.
- Stellen zielgerichtet bewerben: 5–10 hochwertige Bewerbungen pro Woche statt Massenbewerbungen.
Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
- Unklare Zielsetzung: Definiere einen konkreten Zieljob mit Stellenbeispielen.
- Beliebiger Kurs: Wähle nur arbeitsmarktrelevante Maßnahmen mit echtem Abschlusswert.
- Fehlende Vorbereitung aufs Beratungsgespräch: Nimm Kursinfos, Kosten, Jobperspektiven und 3–5 Stellenanzeigen mit.
- Zu wenig Praxis: Achte auf Übungen, Projekte, Prüfungen und ggf. Praktikum.
- Alleine kämpfen: Nutze Coaching, Lerncommunity und Jobservice des Trägers.
FAQ: Qualifizierung für Arbeitslose
Bekomme ich als Arbeitslose/r eine Weiterbildung bezahlt?
Ja, häufig über den Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit/Jobcenter), sofern die Maßnahme zu deinem Profil passt und deine Vermittlungschancen erhöht.
Wie lange dauert die Bewilligung?
Zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen. Je besser du vorbereitet bist, desto schneller geht es.
Kann ich eine Umschulung auch online machen?
Viele Inhalte sind online/Hybrid möglich. Praxis- und Prüfungsanteile können Präsenz erfordern.
Gibt es eine Altersgrenze?
Nein. Entscheidend ist die Integrationsperspektive in Arbeit, nicht das Alter.
Wer zahlt Fahrtkosten und Lernmittel?
Oft werden Fahrtkosten, Lernmittel, Prüfungen und ggf. Kinderbetreuung übernommen. Frag bei deinem Träger und der Sachbearbeitung nach.
Ich habe keinen Schulabschluss – geht es trotzdem?
Ja. Teilqualifikationen, Grundkompetenzen und Externenprüfung sind speziell dafür ausgelegt.
Kann ich die Maßnahme wechseln?
Nur in begründeten Fällen und in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit/dem Jobcenter. Wähle deshalb vorher sorgfältig.
Was ist der Unterschied zwischen AVGS und Bildungsgutschein?
AVGS finanziert Coaching/Aktivierung, Bildungsgutschein finanziert Qualifizierungen/Weiterbildungen/Umschulungen.
Fazit: Jetzt den Neustart planen – mit der richtigen Qualifizierung
Arbeitslosigkeit ist deine Chance, beruflich neu durchzustarten. Mit der passenden Qualifizierung, dem richtigen Bildungsträger und einer klugen Förderstrategie kommst du schneller zurück in den Job – oft komplett kostenfrei.
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