Dec 19, 2025

Weiterbildung arbeitslos: Bewilligung sichern – Der vollständige Leitfaden 2025

Weiterbildung arbeitslos: Bewilligung sichern – Der vollständige Leitfaden 2025

Weiterbildung arbeitslos: Bewilligung sichern – Der vollständige Leitfaden 2025

Sie sind arbeitslos und möchten eine Weiterbildung bewilligen lassen? In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Bewilligung vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit für eine geförderte Weiterbildung oder Umschulung erhalten – inklusive Voraussetzungen, Antrag, Kostenübernahme, Ablehnungsgründe, Widerspruch und Profi-Tipps.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet keine Rechtsberatung. Rechtsgrundlagen u. a.: §81 SGB III (Förderung der beruflichen Weiterbildung) sowie §16 SGB II i. V. m. §81 SGB III für Bürgergeld-Empfänger.

Inhalt

Was bedeutet „Bewilligung“? Bildungsgutschein & AVGS

Die Bewilligung ist der offizielle Bescheid der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters, Ihre Qualifizierung zu fördern. In der Praxis erfolgt dies meist durch:

  • Bildungsgutschein (BGS): Förderinstrument für Weiterbildungen und Umschulungen nach §81 SGB III. Der Gutschein enthält Ziel, Dauer, regionalen Geltungsbereich und endet mit einem Gültigkeitsdatum.
  • AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein): Fördert Coaching, Bewerbungs-Trainings oder kurze Qualifizierungen zur schnellen Vermittlung.

Wichtig: Ihre Maßnahme und der Anbieter müssen AZAV-zertifiziert sein (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung). Ohne AZAV keine Förderung.

Voraussetzungen für die Bewilligung (ALG I & Bürgergeld)

Ob Agentur für Arbeit (SGB III, ALG I) oder Jobcenter (SGB II, Bürgergeld) – die Förderlogik ist ähnlich. Bewilligt wird, wenn die Weiterbildung:

  • Ihre Eingliederungschancen deutlich verbessert (z. B. fehlender Berufsabschluss, veraltete Qualifikation, Berufswechsel in Engpassberufe).
  • zu Ihrem Profil passt (Eignung, Motivation, ggf. Sprach- oder Grundkompetenzen vorhanden oder mitgefördert).
  • arbeitsmarktrelevant ist (realistische Perspektiven, belegbar durch Stellenanzeigen, Engpasslisten, Arbeitgeberfeedback).
  • AZAV-zertifiziert ist und alle formalen Kriterien (Dauer, Starttermin, Voll-/Teilzeit, Unterrichtsform) erfüllt.

Typische Konstellationen mit guten Chancen:

  • Ohne Berufsabschluss oder Abschluss nicht mehr verwertbar – Umschulung/Teilqualifizierung.
  • Berufswechsel in Engpassfelder (z. B. IT, Pflege, Elektro, Handwerk, Logistik, Green Jobs).
  • Wiedereinstieg nach Familienphase, Krankheit, langer Arbeitslosigkeit.
  • Digitalisierung erfordert Update (z. B. Datenanalyse, Cloud, Office/ERP, E-Commerce).

Zusatz bei Bürgergeld: Die Bewilligung sollte mit Ihrer Eingliederungsvereinbarung (EGV) kompatibel sein oder darin festgehalten werden. Sprechen Sie Ihren Plan frühzeitig an.

Welche Kosten werden übernommen?

Mit Bildungsgutschein können je nach individueller Entscheidung u. a. folgende Posten gefördert werden:

  • Lehrgangskosten (Gebühren, Lernmittel, Prüfungsgebühren, Zertifikate – z. B. IHK, HWK, Herstellerzertifikate).
  • Fahrtkosten (ÖPNV, Kilometerpauschale) und Unterkunft/Verpflegung bei auswärtiger Teilnahme – nach Richtlinien.
  • Kinderbetreuungskosten, wenn nötig, damit die Teilnahme überhaupt möglich ist.
  • Arbeitskleidung/Equipment in Einzelfällen (z. B. Sicherheitsschuhe).
  • Lebensunterhalt: ALG I / Bürgergeld laufen während der Teilnahme in der Regel weiter.

Wichtig: Keine eigenmächtige Zahlung. Starten Sie die Maßnahme erst nach schriftlicher Bewilligung.

Schritt-für-Schritt: So stellen Sie den Antrag

  1. Ziel definieren: Wunschberuf/Qualifikation mit realistischen Jobperspektiven festlegen.
  2. Maßnahme recherchieren: Auf KURSNET nach AZAV-zertifizierten Kursen suchen. Notieren: KURS-ID, Inhalte, Dauer, Starttermine, Kosten, Unterrichtsform (Präsenz/online/hybrid), Abschlussart (z. B. IHK, Zertifikat).
  3. Unterlagen sichern: Ausführliche Kursbeschreibung, Kostenaufstellung, Stundenplan, Teilnahmebedingungen, Provider-Kontakt, Nachweise zur Eignung (Zeugnisse, Zertifikate, ggf. Sprachlevel).
  4. Arbeitsmarkt belegen: 5–10 aktuelle Stellenanzeigen sammeln, die genau Ihre angestrebte Qualifikation nennen (Screenshots/Links).
  5. Termin vereinbaren: Beratung bei Agentur/Jobcenter. Plan und Unterlagen strukturiert vorstellen.
  6. Begründung darlegen: Warum genau diese Weiterbildung? Warum jetzt? Welcher Abschluss? Wie verbessert sich die Vermittlungschance?
  7. Bildungsgutschein beantragen: Schriftlich festhalten (per E-Mail oder über das Kundenportal) und Entscheidung erbitten.
  8. Bewilligungsbescheid prüfen: Daten, Gültigkeit, regionaler Geltungsbereich, Maßnahmedaten. Rückfragen sofort klären.

Profi-Tipp: Bitten Sie den Träger um eine individuelle Eignungsberatung und eine Kosten- und Kursbescheinigung. Das erhöht die Entscheidungssicherheit der Sachbearbeitung.

Die perfekte Begründung für Ihre Weiterbildung

Ihre Argumentation sollte kurz, klar und belegt sein:

  • Arbeitsmarktrelevanz: „In meiner Region werden X/Y-Fachkräfte gesucht. Siehe Stellenanzeigen im Anhang.“
  • Abschluss & Zertifikat: „Der Kurs schließt mit IHK-Zertifikat/Herstellerzertifikat ab – in Stellenprofilen explizit gefordert.“
  • Passung: „Vorwissen vorhanden: …, Eignungstests bestanden, Anbieter empfiehlt Einstieg.“
  • Eingliederungsvorteil: „Ohne Abschluss kaum Chancen, mit Abschluss direkte Bewerbungsfähigkeit.“
  • Realistische Dauer: „Teilzeit möglich – vereinbar mit Kinderbetreuung, Betreuung ist gesichert.“

Vermeiden Sie Allgemeinplätze. Konkrete Jobziele + Nachweise überzeugen.

Häufige Ablehnungsgründe – und wie Sie sie entkräften

  • „Sie sind bereits ausreichend qualifiziert.“ – Zeigen Sie Lücken: veraltete Tools, fehlende Zertifikate, Branchenwechsel, Nachweise aus Stellenanzeigen.
  • „Maßnahme nicht arbeitsmarktrelevant.“ – Regionale Stellen, Engpasslisten, Arbeitgeber-Statements sammeln.
  • „Keine Eignung.“ – Eignungstest/Probetag/Trägergutachten, Sprachzertifikate nachreichen.
  • „Nicht AZAV-zertifiziert.“ – Anderen, gleichwertigen AZAV-Kurs vorschlagen.
  • „Start zu kurzfristig.“ – Auf nächsten Termin umbuchen, Zeitplan & Verfügbarkeit bestätigen.

Widerspruch: Bei Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen (schriftlich, begründet, mit Belegen). Holen Sie zusätzliche Nachweise ein.

Fristen, Dauer & Zeitplanung

  • Entscheidungsdauer: Praxisnah 1–3 Wochen, variiert je nach Fall.
  • Gültigkeit Bildungsgutschein: bis zum aufgedruckten Datum – Kurs muss bis dahin begonnen werden.
  • Dauer der Maßnahme: Von kurzen Anpassungsqualifizierungen (1–12 Wochen) bis Umschulungen (bis ca. 24 Monate) sind möglich – maßnahmeabhängig.
  • Teilzeit: Häufig möglich, besonders mit Betreuungspflichten oder gesundheitlichen Aspekten.

Umschulung, Weiterbildung, Teilqualifizierung & Zertifikate

  • Umschulung: Berufsabschluss in anderem Beruf (oft IHK/HWK, ca. 16–24 Monate).
  • Weiterbildung: Aufbau/Erweiterung vorhandener Kompetenzen, spezifische Zertifikate (z. B. IT, Office, Pflege-Basis).
  • Teilqualifizierung (TQ): Schrittweiser Erwerb von beruflichen Modulen bis zum Abschluss.
  • Grundkompetenzen: Mathe, Deutsch, IT-Basics – können mitgefördert werden, wenn nötig.

Wichtig: Achten Sie auf anerkannte Abschlüsse (z. B. IHK) oder branchenübliche Zertifikate (z. B. AWS, SAP, DATEV, Pflegebasiskurs). Das erhöht die Vermittlungschancen.

Checkliste & wichtige Dokumente

  • Aktueller Lebenslauf und Zeugnisse
  • Kursbeschreibung (Inhalte, Stundenumfang, Dauer, Start, Abschluss, AZAV-Hinweis)
  • Kostenaufstellung (Lehrgang, Prüfungen, Lernmittel, Fahrt)
  • KURSNET-Link/ID
  • Stellenanzeigen als Beleg
  • Eignungsnachweise (Tests, Zertifikate, Sprachnachweis)
  • Betreuungs-/Pflege-Nachweise (falls relevant)
  • EGV oder Nachtrag (bei Bürgergeld)

Muster-Anschreiben für den Antrag (Vorlage)

Kopieren Sie die Vorlage und passen Sie sie an:

Betreff: Antrag auf Bewilligung einer geförderten Weiterbildung (Bildungsgutschein) Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name], hiermit beantrage ich die Bewilligung einer geförderten Weiterbildung gemäß §81 SGB III zur nachhaltigen beruflichen Eingliederung. Ziel: [Berufsbezeichnung/Zertifikat] Maßnahmeträger: [Name, AZAV-zertifiziert] Kurs: [Titel], KURSNET-ID: [XXXX], Start: [Datum], Dauer: [xx Wochen/Monate], Abschluss: [z. B. IHK/Zertifikat]. Begründung: - Die Qualifikation ist in meiner Region stark nachgefragt (siehe beigefügte Stellenanzeigen). - Die Inhalte schließen meine Qualifikationslücken [konkret benennen]. - Der Träger bestätigt meine Eignung [ggf. Eignungstest/beratung]. - Die Teilnahme ist organisatorisch gesichert (Betreuung/Anfahrt geregelt). Ich bitte um zeitnahe Entscheidung und stehe für Rückfragen gerne zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen [Name, Kundennummer]

FAQ: Bewilligung Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit

Wer bewilligt meine Weiterbildung?

Agentur für Arbeit (ALG I) oder Jobcenter (Bürgergeld). Entscheidend ist Ihr individuelles Eingliederungskonzept.

Darf ich ohne Bewilligung starten?

Davon ist dringend abzuraten. Nur mit vorheriger Bewilligung werden Kosten übernommen.

Ist Online-Weiterbildung förderfähig?

Ja, sofern der AZAV-Träger und das Format anerkannt sind und die Maßnahme arbeitsmarktrelevant ist.

Geht Teilzeit?

Meist ja. Teilzeit ist gängig bei Betreuungspflichten oder gesundheitlichen Gründen. Im Antrag begründen.

Wie lange darf eine Maßnahme dauern?

Kommt auf Ziel an: Kurzqualis Wochen, Umschulungen bis ca. 24 Monate.

Was, wenn abgelehnt wird?

Sie können Widerspruch innerhalb eines Monats einlegen und neue Belege nachreichen.

Kann ich den Anbieter wechseln?

Bei sachlichen Gründen (Qualität, Termin, Erreichbarkeit) ist ein Wechsel möglich – vorab abstimmen.

Bekomme ich Fahrt- und Kinderbetreuungskosten?

Kann bewilligt werden, wenn notwendig – im Antrag benennen und belegen.

Bekomme ich während der Weiterbildung weiter ALG I/Bürgergeld?

In der Regel ja. Änderungen mit Ihrer Ansprechperson klären.

Gilt das auch, wenn ich älter bin?

Ja. Entscheidend sind Eignung und Eingliederungschancen, nicht das Alter.

Nützliche Ressourcen

Fazit: Mit der richtigen Strategie zur Bewilligung

Eine gute Vorbereitung, klare Arbeitsmarktrelevanz und belegbare Eignung sind der Schlüssel zur Bewilligung. Nutzen Sie AZAV-Kurse, sammeln Sie Stellenanzeigen und stellen Sie Ihren Antrag strukturiert – so steigen Ihre Chancen spürbar.

Bonus: Kostenlose Vergleichsplattform für geförderte Weiterbildungen

Nutzen Sie unsere kostenlose Plattform unter app.careertune.de, um geförderte Weiterbildungen schnell zu finden und zu vergleichen. Vorteile für Sie:

  • AZAV-geprüfte Anbieter auf einen Blick
  • Transparente Kursdetails (Inhalte, Dauer, Starttermine, Abschlüsse)
  • Direkter Kontakt zum Träger und Unterlagen für Ihren Antrag
  • Zeitsparender Vergleich passender Alternativen

So kommen Sie mit wenigen Klicks zu passenden Kursen – und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Ihre Bewilligung zu erhalten.

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