Weiterbildung arbeitslos nach Elternzeit: So gelingt der geförderte Wiedereinstieg
Sie sind nach der Elternzeit arbeitslos oder auf der Suche nach einem neuen Job? Eine geförderte Weiterbildung kann jetzt der Turbo für Ihren Wiedereinstieg sein – finanziert von Agentur für Arbeit oder Jobcenter. In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie, welche Förderungen es gibt (Bildungsgutschein, AVGS), wie Sie vorgehen, welche Kurse besonders geeignet sind und wie Sie Ihren Antrag überzeugend begründen.
Schnell-Überblick: Ihre Optionen nach Elternzeit
- Berufsrelevante Weiterbildung (AZAV-zertifiziert) – z. B. Office & Digitalisierung, Buchhaltung/DATEV, SAP, Projektmanagement, Online-Marketing, IT-Support.
- Umschulung (z. B. in Teilzeit) – führt zu einem abgeschlossenen Berufsabschluss (IHK/HWK); ideal bei kompletter Neuorientierung.
- Teilqualifikationen (TQ) – modulare Bausteine, die Schritt für Schritt zu einem Berufsabschluss führen.
- AVGS-Coaching – individuelles Bewerbungs- und Karrierecoaching für den erfolgreichen Wiedereinstieg.
- Online- und Teilzeit-Formate – perfekt vereinbar mit Kinderbetreuung.
Wer zahlt die Weiterbildung? Fördermöglichkeiten
Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit/Jobcenter)
Der Bildungsgutschein ist die zentrale Förderung für arbeitslose und arbeitsuchende Personen. Rechtsgrundlage ist §81 SGB III. Er deckt in der Regel die gesamten Maßnahmekosten, außerdem sind je nach Fall Fahrtkosten, auswärtige Unterbringung, Verpflegung sowie Prüfungsgebühren möglich. Voraussetzungen:
- Individueller Förderbedarf: Die Weiterbildung muss Ihre Arbeitsmarktchancen deutlich verbessern.
- Eignung: Sie bringen die nötigen Vorkenntnisse und Motivation mit.
- Arbeitsmarktrelevanz: Gute Vermittlungsaussichten im Zielberuf.
- AZAV-Zertifizierung: Träger und Maßnahme müssen zertifiziert sein.
Tipp: Kommen Sie mit einem konkreten Kursvorschlag (mit Maßnahmennummer, Startdatum, Dauer, Lerninhalten und Jobperspektiven) ins Beratungsgespräch – das erhöht die Chance auf Bewilligung deutlich.
AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein)
Der AVGS fördert Coaching- und Aktivierungsmaßnahmen, z. B. Wiedereinstiegscoaching, Bewerbungscoaching, Kompetenzbilanz oder Jobvermittlung. Er eignet sich hervorragend, um nach der Elternzeit Selbstbewusstsein, Strategie und Bewerbungsunterlagen auf Vordermann zu bringen. Beantragung erfolgt ebenfalls über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.
Zusatzleistungen beim Bürgergeld
- Weiterbildungsgeld: 150 € monatlich bei Teilnahme an Weiterbildungen, die zu einem Berufsabschluss führen.
- Bürgergeld-Bonus: 75 € monatlich für längere Maßnahmen (mind. mehrere Wochen) ohne Abschlussbezug – je nach individueller Bewilligungslage.
Prüfen Sie Ihre Ansprüche im Beratungsgespräch, da individuelle Voraussetzungen und gesetzliche Änderungen zu beachten sind.
Voraussetzungen & Erfolgskriterien für die Förderung
- Status: arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet (auch nach Elternzeit möglich).
- Begründung der Notwendigkeit: Ihre Qualifikation ist veraltet, Sie möchten in einen zukunftssicheren Beruf wechseln oder benötigen deutsche Zertifikate für den Arbeitsmarkt.
- Realistische Zielrolle: belegt durch Stellenanzeigen und regionale Nachfrage.
- Passgenauer Kurs: Inhalte, Dauer und Format (Teilzeit/online) sind mit Betreuungssituation vereinbar.
Die besten Weiterbildungen für den Wiedereinstieg nach Elternzeit
Folgende Richtungen sind besonders gefragt und lassen sich gut in Teilzeit oder online absolvieren:
- Office & Digitale Kompetenzen: MS Office 365, Excel-Power-User, Kollaborationstools.
- Rechnungswesen & Lohn: DATEV, Finanzbuchhaltung, Lohn & Gehalt – hoher Bedarf in KMU und Steuerkanzleien.
- SAP: SAP S/4HANA Grundlagen, FI/CO, MM – gute Einstiegschancen in Administration/Support.
- Projektmanagement: PRINCE2, Scrum Master, PMI CAPM/PMP – branchenübergreifend einsetzbar.
- Online-Marketing & E-Commerce: SEO/SEA, Social Media, Shopsysteme – häufig remote-fähig.
- IT-Support & Daten: IT-Helpdesk, CompTIA A+, Data Analytics Basics (Excel/SQL/BI).
- Gesundheit & Pflege: Pflegebasiskurse, Betreuungskraft nach §43b SGB XI, Praxisorganisation.
- Human Resources: Recruiting, Active Sourcing, Personalverwaltung & Arbeitsrecht Basics.
Pro-Tipp: Wählen Sie eine Weiterbildung, die Ihre Vorerfahrung nutzt und mit einer zeitlich passenden Kinderbetreuung kombinierbar ist. Teilzeit (z. B. 20–30 Std./Woche) und Live-Online-Formate sind ideal.
Zeitmodelle, Kinderbetreuung & Vereinbarkeit
- Teilzeit-Weiterbildung: typischerweise 4–6 Stunden pro Tag, vormittags oder flexibel – optimal für Kita-/Schulzeiten.
- Live-Online-Unterricht: planbare Sessions via Videokonferenz; spart Fahrtzeiten.
- Blended & Selbstlernphasen: Lernplattformen mit Aufzeichnungen, um Ausfälle aufzufangen.
- Teilzeit-Umschulung: längere Dauer, aber familienkompatibel und führt zu einem neuen Berufsabschluss.
Schritt-für-Schritt: So kommen Sie zum Bildungsgutschein
- Profil klären: Welche Stärken, Interessen und Rahmenbedingungen (Betreuung, Zeitbudget) haben Sie?
- Kurs recherchieren: Nur AZAV-zertifizierte Kurse sind förderfähig. Prüfen Sie Inhalte, Dauer, Starttermine, Teilzeit/online.
- Unterlagen sammeln:
- Kursbeschreibung mit Maßnahmennummer, Dauer, Stundenumfang, Lernzielen.
- Trägernachweis (AZAV) und Kostenübersicht.
- 3–5 relevante Stellenanzeigen für das Zielprofil.
- Aktueller Lebenslauf mit Elternzeit-Phase.
- Beratungstermin bei Agentur für Arbeit/Jobcenter vereinbaren (telefonisch, online oder vor Ort).
- Begründung vorbereiten: Warum genau dieser Kurs? Wie verbessert er die Vermittlungschancen?
- Bewilligung abwarten: Bei positiver Entscheidung erhalten Sie den Bildungsgutschein mit Gültigkeitszeitraum.
- Anmeldung beim Bildungsträger und Start der Maßnahme.
- Dranbleiben & nachweisen: Anwesenheit/Lernfortschritt dokumentieren, mit Bewerbungen beginnen.
So überzeugen Sie im Gespräch: Muster-Argumentation
„Nach der Elternzeit plane ich den Wiedereinstieg als [Zielrolle]. In meiner Region gibt es zahlreiche offene Stellen (siehe Anlagen). Der gewählte Kurs [Kursname] vermittelt die konkret geforderten Kompetenzen (z. B. [Tools/Zertifikate]) in einem Teilzeit-Onlineformat, das mit der Kinderbetreuung vereinbar ist. Der Träger ist AZAV-zertifiziert, Start ist am [Datum]. Damit kann ich meine Arbeitsmarktchancen signifikant erhöhen und kurzfristig in Beschäftigung gehen.“
Konkrete Kursbeispiele mit guter Jobperspektive
- DATEV Lohn & Gehalt / Finanzbuchhaltung – Einstieg in Kanzleien und KMU, viele Teilzeitstellen.
- Projektmanagement + PRINCE2/Scrum – branchenübergreifende Nachfrage, ideal bei organisatorischer Stärke.
- SAP Grundlagen + Modul (FI/CO/MM) – Backoffice-Rollen, Datenaffinität von Vorteil.
- SEO/SEA & Social Media – remote-freundlich, gute Kombi mit Content/Design-Skills.
- IT-Helpdesk/Support (CompTIA A+) – solider Einstieg in IT mit klarer Aufstiegsperspektive.
- Betreuungskraft §43b SGB XI – hoher Bedarf in Pflegeeinrichtungen und Tagespflege.
Elternzeit im Lebenslauf professionell darstellen
- Format: 01/2023 – 06/2024 Elternzeit, Weiterbildungen (z. B. Online-Kurse), ehrenamtliche Tätigkeiten.
- Kompetenzen betonen: Organisation, Priorisierung, Resilienz, Kommunikation.
- Aktualität zeigen: Auffrischung durch aktuelle Zertifikate/Kurse.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Unklare Zielrolle: Definieren Sie eine konkrete Jobbezeichnung und sammeln Sie passende Stellenanzeigen.
- Kurs ohne Arbeitsmarktbezug: Belegen Sie die Nachfrage im Zielgebiet.
- Format passt nicht zur Betreuung: Planen Sie Teilzeit/online – das erleichtert die Bewilligung.
- Fehlende Unterlagen: Maßnahmennummer, AZAV-Nachweis, Inhalte, Dauer – alles vollständig mitbringen.
- Zu kurzer Vorlauf: Termine, Fristen und Startdaten rechtzeitig koordinieren.
Realistischer Zeitplan: In 6–8 Wochen zur geförderten Weiterbildung
- Woche 1: Zielrolle festlegen, Kurse shortlist, Stellenanzeigen sammeln.
- Woche 2: Beratungstermin buchen, Unterlagen finalisieren.
- Woche 3–4: Gespräch führen, Rückfragen klären, Bewilligung abwarten.
- Woche 5: Bildungsgutschein einlösen, Anmeldung abschließen.
- Woche 6–8: Kursstart, parallele Bewerbungen vorbereiten.
Wichtige Hinweise & Rechte
- Anspruch? Es besteht kein Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein; eine gute Begründung ist entscheidend.
- Leistungen: ALG I/Bürgergeld laufen weiter; Zusatzleistungen (z. B. Fahrkosten) sind Einzelfallentscheidungen.
- AZAV-Pflicht: Nur zertifizierte Träger/Maßnahmen sind förderfähig.
- Transparenz: Lassen Sie sich Kursinhalte, Prüfungen, Betreuungsmodell genau erklären.
FAQ: Weiterbildung arbeitslos nach Elternzeit
Kann ich direkt nach der Elternzeit eine geförderte Weiterbildung beginnen?
Ja – wenn Sie arbeitslos/arbeitssuchend gemeldet sind und die Weiterbildung Ihre Vermittlungschancen verbessert. Die Bewilligung erfolgt nach Einzelfallprüfung.
Gibt es Teilzeit-Weiterbildungen?
Ja, viele zertifizierte Anbieter bieten Teilzeit und Live-Online an – ideal für die Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung.
Wer finanziert die Kosten?
Mit Bildungsgutschein übernimmt in der Regel die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kurskosten und ggf. zusätzliche Leistungen wie Fahrtkosten. Details klären Sie in der Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen Bildungsgutschein und AVGS?
Bildungsgutschein finanziert Weiterbildungen/Umschulungen; AVGS fördert Coaching/Activation (z. B. Bewerbungscoaching).
Wie begründe ich den Antrag am besten?
Mit einer klaren Zielrolle, passenden Stellenanzeigen, einem passgenauen Kurs (AZAV, Teilzeit/online) und dem Nachweis, dass sich Ihre Chancen am Arbeitsmarkt deutlich verbessern.
Nützliche Ressourcen
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- Präzise Filter nach Teilzeit, online, Starttermin, Dauer, Themengebiet.
- Transparente Details: Maßnahmennummern, Inhalte, Abschluss, Jobperspektiven.
- Merkliste & Vergleich: Favoriten speichern und Angebote direkt gegenüberstellen.
- Schneller Kontakt zu Anbietern und Unterstützung bei der Antragstellung – effizienter Weg zum Bildungsgutschein.
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