Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit: Bildungsgutschein, Förderung, Auswahl & Schritt-für-Schritt-Anleitung (2025)
Arbeitslos – und jetzt? Eine geförderte Weiterbildung kann Ihr Sprungbrett zurück in den Job sein. Dieser umfassende Guide erklärt, wie Sie mit Bildungsgutschein von Agentur für Arbeit oder Jobcenter die vollen Kurskosten übernehmen lassen, welche Maßnahmen besonders gefragt sind, wie Sie die richtige Weiterbildung auswählen und sich erfolgreich bewerben. Plus: eine praxiserprobte Checkliste für Ihren Termin bei der Arbeitsvermittlung.
Inhalt
Was bedeutet Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit?
Weiterbildung umfasst zertifizierte Kurse, Umschulungen und Qualifizierungen, die Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Wichtige Begriffe:
- Anpassungsweiterbildung: Aktualisiert vorhandene Kenntnisse (z. B. neue Software, Gesetzesänderungen).
- Aufstiegs-/Zertifikatsweiterbildung: Vertieft Fachwissen (z. B. Projektmanagement PRINCE2/Scrum, SAP, DATEV).
- Umschulung (IHK/HWK): Neuer Berufsabschluss in 12–24 Monaten, häufig mit Praxisanteil.
- Teilqualifikationen (TQ): Schrittweiser Erwerb von Modulen, die zu einem Berufsabschluss führen können.
- Externenprüfung: Vorbereitung auf die Abschlussprüfung, wenn einschlägige Berufspraxis vorhanden ist.
Für die Förderung ist entscheidend, dass die Maßnahme AZAV-zertifiziert ist und Sie damit realistische Jobchancen haben.
Förderungen: Bildungsgutschein, AVGS, Zuschüsse
Die wichtigsten Instrumente für Arbeitssuchende und Bürgergeld-Beziehende:
- Bildungsgutschein (SGB III/SGB II): Übernimmt bis zu 100 % der Weiterbildungskosten, wenn diese notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder abzuwenden.
- AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein): Für Coachings, Bewerbungstrainings oder kurze Maßnahmen zur schnellen Vermittlung.
- Weiterbildungsgeld (bei abschlussorientierten Maßnahmen, z. B. Umschulung): 150 € monatlich zusätzlich, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.
- Bürgergeld-Bonus (für mindestens 8-wöchige Weiterbildungen, die Chancen erhöhen): 75 € monatlich zusätzlich, wenn die Maßnahme passt.
- Zuschüsse für Fahrkosten, Unterbringung auswärts, Kinderbetreuung und ggf. Prüfungsgebühren.
Hinweis: Die genaue Ausgestaltung (z. B. Boni/Prämien) kann sich ändern. Klären Sie vorab mit Ihrer Vermittlungsperson die aktuell geltenden Regelungen.
Wer hat Anspruch und welche Voraussetzungen gelten?
Rechtlich besteht kein Automatismus auf Förderung – die Entscheidung liegt im Ermessen der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters. Gute Chancen haben Sie, wenn:
- Sie arbeitslos, arbeitssuchend gemeldet sind oder Arbeitslosigkeit droht (z. B. befristeter Vertrag, Kündigung).
- Die Weiterbildung arbeitsmarktrelevant ist (nachweisbare Nachfrage, z. B. aktuelle Stellenanzeigen).
- Sie für die Maßnahme geeignet sind (Vorkenntnisse, Sprachniveau, gesundheitliche Eignung).
- Der Anbieter AZAV-zertifiziert ist und die Maßnahme im KURSNET der Bundesagentur gelistet ist.
Auch ohne laufenden Leistungsbezug ist Förderung möglich, wenn eine Weiterbildung die Vermittlungschancen spürbar erhöht. Bereiten Sie dazu überzeugende Unterlagen vor (siehe Checkliste).
Welche Kosten werden übernommen?
Mit Bildungsgutschein können je nach persönlicher Situation u. a. folgende Kosten übernommen werden:
- Lehrgangs-/Kursgebühren (100 %, wenn bewilligt)
- Prüfungsgebühren (z. B. IHK)
- Fahrtkosten (ÖPNV, Kilometergeld)
- Unterkunft/Verpflegung bei auswärtiger Teilnahme
- Kinderbetreuungskosten als Zuschuss
Leistungen wie ALG I oder Bürgergeld laufen während der bewilligten Maßnahme weiter (bei Einhaltung der Maßnahmepflichten). Zusätzlich können je nach Maßnahme Weiterbildungsgeld bzw. Bürgergeld-Bonus gewährt werden.
Schritt-für-Schritt: So kommen Sie zum Bildungsgutschein
- Profil & Ziel klären
Analysieren Sie Stärken, Lücken und Jobziele. Prüfen Sie, welche Qualifikation schnell zu konkreten Stellen führt. - Passende Maßnahme recherchieren
Vergleichen Sie AZAV-zertifizierte Kurse inkl. Inhalte, Dauer, Starttermine, Jobchancen und Abschluss. - Arbeitsmarktnachweis sammeln
Sichern Sie 5–10 Stellenanzeigen, die die gewünschte Qualifikation explizit verlangen. Markieren Sie relevante Passagen. - Unterlagen vorbereiten
Aktueller Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise, Kursangebot(e) inkl. Kosten, Trägerzertifikat, ggf. Eignungstests/Sprachnachweise. - Beratungstermin beantragen
Vereinbaren Sie einen Termin bei Agentur für Arbeit/Jobcenter. Bringen Sie Ihre Mappe mit. - Argumentation
Begründen Sie die Notwendigkeit (ohne Kurs keine Chance), die Eignung und den Arbeitsmarktnutzen. Nennen Sie konkrete Arbeitgeber/Anzeigen. - Bildungsgutschein erhalten
Prüfen Sie Laufzeit, Region, Ziel auf dem Gutschein. Lassen Sie ggf. Anpassungen vermerken. - Anmeldung & Start
Melden Sie sich beim Träger an, reichen Sie den Gutschein ein und starten Sie pünktlich. Halten Sie Kontakt zu Ihrer Vermittlungsperson.
Checkliste für den Termin
- Lebenslauf (aktuell, lückenlos)
- Zeugnisse, Zertifikate, Bescheinigungen
- 2–3 konkrete Kursangebote (Inhalte, Dauer, Kosten, AZAV)
- 5–10 passende Stellenanzeigen (mit Markierungen)
- Begründung: Zieljob, Gehalts-/Chancenperspektive, Region
- Plan B (Alternative Maßnahme/Starttermin)
Die richtige Weiterbildung finden: Kriterien & Anbieter
Achten Sie bei der Auswahl auf:
- Arbeitsmarktrelevanz: Passen Inhalte zu konkreten Stellenausschreibungen?
- Abschluss & Anerkennung: IHK/HWK, Herstellerzertifikate (z. B. AWS, Microsoft, SAP), DIN/ISO, TQ.
- Vermittlungsquote des Trägers und Praxisanteile (Praktikum, Projekte, Labs).
- Format: Präsenz, Online-Live, Hybrid; Vollzeit/Teilzeit.
- Betreuung: Coaching, Prüfungsvorbereitung, Bewerbungsservice, Arbeitgebernetzwerk.
- Flexibilität: Starttermine, Nachholmöglichkeiten, Lernplattform.
Wichtig: Nur AZAV-zertifizierte Anbieter sind förderfähig. Prüfen Sie die Maßnahme im KURSNET und lassen Sie sich ein verbindliches Angebot mit allen Kosten geben.
Gefragte Bereiche & Abschlüsse 2025
Besonders gute Chancen bieten derzeit:
- IT & Daten: Cloud (AWS, Azure), IT-Support, Systembetreuung, Data Analytics, Softwaretest, IT-Security (Grundlagen, BSI).
- Kaufmännisch & Digitalisierung: DATEV, SAP (FI/CO/MM/SD), E-Commerce, Online-Marketing, Vertrieb/Inside Sales, Rechnungswesen.
- Logistik & Produktion: Lager/Kommissionierung, Staplerschein, Disposition, Qualitätswesen, Zoll/Export.
- Gesundheit & Pflege: Pflegebasiskurse, Betreuungsassistenz §43b, Praxisorganisation, Abrechnungswesen.
- Sicherheit & Handwerk: Fachkraft für Schutz und Sicherheit, Elektrotechnik-Basics (unter Aufsicht), Gebäudetechnik.
- Umschulungen (IHK): Kaufmann/-frau für Büromanagement, Fachinformatiker/in, E-Commerce, Groß- und Außenhandelsmanagement, Lagerlogistik.
Tipp: Kurse mit zertifizierten Abschlüssen und Praxisprojekten verkürzen die Bewerbungszeit und erhöhen die Einstiegsgehälter.
Online, Präsenz, Teilzeit: Was passt zu Ihnen?
- Online-Live: Ideal mit Betreuung, spart Fahrzeit; erfordert stabile Technik und Selbstorganisation.
- Präsenz: Maximaler Austausch; sinnvoll bei Werkstatt-/Laboranteilen.
- Hybrid: Kombination aus Online- und Präsenzphasen.
- Vollzeit (typisch 30–40 Std/Woche): Schnellster Abschluss; gut bei ALG I/Bürgergeld.
- Teilzeit: Vereinbarkeit mit Betreuung oder Nebenjob; etwas längere Dauer, dafür nachhaltiger.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Unklare Zielsetzung: Wählen Sie keine „Allgemein-Kurse“. Verknüpfen Sie Inhalte mit konkreten Stellen.
- Fehlender Nachweis: Ohne Arbeitsmarktdaten sinkt die Bewilligungschance. Bringen Sie Anzeigen, Statistiken, Arbeitgeberkontakte mit.
- Nicht-AZAV-zertifizierter Anbieter: Dann ist keine Förderung möglich.
- Zu späte Terminbuchung: Gutscheine haben Fristen. Kümmern Sie sich frühzeitig um Starttermine.
- Ungeeignetes Format: Prüfen Sie realistisch, ob Sie Vollzeit/Online durchhalten können – ggf. Teilzeit oder hybride Modelle wählen.
FAQ: Häufige Fragen zur Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit
1) Bildungsgutschein oder AVGS – was brauche ich?
Für Weiterbildungen/Umschulungen benötigen Sie in der Regel einen Bildungsgutschein. Der AVGS dient eher für Coachings und kurze Aktivierungsmaßnahmen.
2) Bekomme ich während der Weiterbildung weiterhin Geld?
Ja, ALG I bzw. Bürgergeld laufen bei bewilligter Maßnahme weiter. Zusätzlich sind je nach Maßnahme Weiterbildungsgeld (150 €) bzw. Bürgergeld-Bonus (75 €) möglich.
3) Welche Kurse sind förderfähig?
Grundsätzlich AZAV-zertifizierte Maßnahmen, die im KURSNET gelistet sind und Ihre Jobchancen erhöhen. Wichtig ist die Notwendigkeitsbegründung.
4) Kann ich den Kurs wechseln?
Nur nach Rücksprache mit der Vermittlungsperson und neuer Bewilligung. Vermeiden Sie Abbrüche, sonst drohen Sanktionen.
5) Wie beweise ich die Relevanz?
Bringen Sie Stellenanzeigen, sprechen Sie mit Arbeitgebern, nennen Sie Region, Lohnband und Einstiegsrollen.
6) Gibt es Altersgrenzen?
Nein. Entscheidend sind Eignung, Arbeitsmarktperspektive und Motivation.
7) Kann ich einen Führerschein fördern lassen?
Berufsspezifische Fahrerlaubnisse (z. B. LKW C/CE) können gefördert werden, wenn sie nachweislich für die Vermittlung notwendig sind.
8) Was ist mit Sprachkursen?
Berufsbezogene Deutschkurse (z. B. DeuFöV) oder Sprachmodule mit Berufsbezug können förderfähig sein, sofern sie die Vermittlungschancen erhöhen.
So überzeugen Sie im Beratungsgespräch
- Problem: Ohne Zertifikat X werde ich nicht eingeladen.
- Lösung: Kurs Y vermittelt genau die geforderten Inhalte und schließt mit anerkanntem Zertifikat.
- Beleg: 7 aktuelle Anzeigen aus meiner Region verlangen X; 2 Arbeitgeber haben Interesse signalisiert.
- Plan: Vollzeit/Teilzeit, Start am TT.MM., Anbieter ist AZAV-zertifiziert, Vermittlungsquote 78 %.
Beispiel-Zeitplan (Vollzeit)
- Woche 1–2: Recherche, Unterlagen, Termin
- Woche 3: Beratung, Bildungsgutschein
- Woche 4: Anmeldung, Technik-Check
- Monat 2–4: Kursphase 1 (Grundlagen + Projekt)
- Monat 5–6: Kursphase 2 (Zertifikat + Bewerbungstraining)
- Monat 7: Prüfungen, aktive Bewerbung, Jobinterviews
Ihr nächster Schritt: Geförderte Weiterbildungen vergleichen
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- Smarte Filter: Branche, Abschluss, Startdatum, Online/Präsenz, Voll-/Teilzeit.
- Transparenz: Inhalte, Dauer, Förderfähigkeit, Bewertungen – auf einen Blick.
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