Welche Weiterbildung zahlt das Arbeitsamt? Alle Förderungen, Voraussetzungen und Beispiele (2025)
Du fragst dich, welche Weiterbildung das Arbeitsamt bezahlt und wie du die Kostenübernahme bekommst? Hier bekommst du die vollständige Antwort: Welche Maßnahmen gefördert werden, mit welchen Gutscheinen (Bildungsgutschein, AVGS) und welche Voraussetzungen du erfüllen musst – inklusive Checkliste, konkreter Kursbeispiele und Schritt-für-Schritt-Anleitung für deinen Antrag.
Wichtig: Mit "Arbeitsamt" sind heute die Agentur für Arbeit (ALG I, SGB III) und die Jobcenter (Bürgergeld, SGB II) gemeint. Beide fördern Weiterbildungen – häufig über den Bildungsgutschein oder den AVGS.
Kurze Antwort: Diese Weiterbildungen zahlt das Arbeitsamt
- Umschulungen (abgeschlossene Berufsausbildung in verkürzter Form, z. B. IHK)
- Abschlussorientierte Weiterbildungen (z. B. Vorbereitung auf Externenprüfung, Teilqualifikationen TQ)
- Anpassungsqualifizierungen (z. B. IT-Zertifikate, SAP, CAD, Buchhaltung, Pflegebasiskurse)
- Sprach- und Berufssprachkurse (DeuFöV B1–C1, berufsbezogen; teils in Kooperation mit BAMF)
- Maßnahmen zur Aktivierung und Vermittlung (Coachings, Bewerbungs- und Jobcoachings per AVGS)
- Führerscheine/Berufsqualifikationen in Engpassberufen (z. B. Lkw C/CE inkl. BKF-Qualifikation, Pflegehelfer)
- Reha-Weiterbildungen im Rahmen der Teilhabe am Arbeitsleben (LTA)
Voraussetzung: Die Maßnahme ist AZAV-zertifiziert, erhöht deine Integrationschancen in Arbeit und wurde vorher bewilligt.
Die wichtigsten Förderinstrumente: Bildungsgutschein und AVGS
1) Bildungsgutschein (BGS)
Der Bildungsgutschein ist das zentrale Förderinstrument für Umschulungen und berufliche Weiterbildungen. Er wird individuell ausgestellt und enthält Zielberuf, Dauer, regionalen Geltungsbereich und Gültigkeitszeitraum.
Was wird bezahlt?
- Kurs- und Prüfungsgebühren (100 % bei Bewilligung)
- Fahrtkosten und ggf. Unterkunft bei auswärtiger Teilnahme
- Kinderbetreuungskosten (bei Bedarf und Bewilligung)
- Lehrmittel und Prüfungsgebühren
- ggf. Arbeitsmittel und technische Unterstützung (z. B. bei Behinderung)
Wichtig: Der Lebensunterhalt wird separat geregelt (ALG I oder Bürgergeld). Bei abschlussorientierten Weiterbildungen sind zusätzlich monatl. Zuschläge möglich (siehe unten).
2) AVGS – Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein
Mit AVGS werden Maßnahmen gefördert, die dich schnell in Arbeit bringen sollen:
- Job-/Bewerbungscoaching (Einzel- oder Gruppencoaching, online/offline)
- Einstiegsqualifizierungen und kurze Qualifizierungsbausteine
- Vermittlung in Arbeit über zertifizierte Träger
AVGS-Maßnahmen sind oft kürzer (z. B. 4–12 Wochen) und flexibel (Teilzeit, Remote). Sie eignen sich ideal für den Wiedereinstieg oder wenn du dein Bewerbungsprofil gezielt schärfen willst.
Welche Weiterbildung konkret gefördert wird: Beispiele nach Berufsfeldern
IT & Digitalisierung
- Grundlagenkurse: IT-Support, Systemadministration, Helpdesk
- Zertifikate: CompTIA, Cisco, Microsoft, AWS, Azure
- Entwicklung & Daten: Webentwicklung, Python, Data Analytics, SQL
- IT-Management: ITIL, Scrum, Agile PM
Kaufmännisch & Büro
- Bürokaufmännische Qualifikationen, MS Office, Kommunikation
- Buchhaltung, Lohn & Gehalt, DATEV, Lexware
- SAP (FI/CO, MM, SD, HCM), Controlling
- E-Commerce, Online-Marketing, Social Media
Logistik & Transport
- Führerschein C/CE mit Berufskraftfahrerqualifikation
- Staplerschein, Lagerlogistik, Disposition
- Zertifikate: ADR, Ladungssicherung
Gesundheit & Pflege
- Pflegebasiskurse, Pflegeassistenz
- Deutsch B2/C1 berufsspezifisch für Pflege/Medizin
- Anerkennungslehrgänge für ausländische Abschlüsse
Industrie & Technik
- CNC, CAD (AutoCAD, SolidWorks), Qualitätsmanagement
- Schweißen (MAG, WIG, E-Hand) mit Prüfungen
Erneuerbare Energien & Bau
- Photovoltaik-Montage, Elektrik-Basics
- Energieberatung, Dämmtechnik
Sprachen & Integration
- Berufsbezogene Deutschkurse B1–C1 (DeuFöV)
- Fachsprache für Medizin, Pflege, Technik, Büro
Tipp: Achte darauf, dass der Anbieter AZAV-zertifiziert ist – nur dann ist eine Förderung via Bildungsgutschein möglich.
Besondere Förderungen und Zuschläge (Überblick)
- Weiterbildungsgeld: Monatlicher Zuschuss, wenn du an einer abschlussorientierten Weiterbildung/Umschulung teilnimmst (z. B. zum Berufsabschluss). Höhe und Anspruch variieren nach Rechtskreis; erkundige dich bei deiner Beratungsfachkraft.
- Bürgergeld-Bonus: Monatlicher Bonus bei längeren Weiterbildungen (i. d. R. > 8 Wochen), die nicht direkt zu einem Berufsabschluss führen.
- Prämien für bestandene Prüfungen: Für abschlussbezogene Maßnahmen können Erfolgsprämien für Zwischen- und Abschlussprüfungen gezahlt werden (Verfügbarkeit und Höhe bitte aktuell erfragen).
- Reha/LTA: Bei gesundheitlichen Einschränkungen zusätzliche Leistungen (z. B. Hilfsmittel, Unterstützungsleistungen).
Da sich Details ändern können, gilt: immer die aktuelle Regelung vor Ort bestätigen.
Voraussetzungen: Wann zahlt das Arbeitsamt eine Weiterbildung?
Grundsatz: Eine Weiterbildung wird gefördert, wenn sie erforderlich ist, um dich nachhaltig in Arbeit zu integrieren.
Typische Voraussetzungen:
- Du bist arbeitslos, arbeitssuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht (z. B. befristet, Kündigung, Strukturwandel).
- Die Weiterbildung ist für deine Vermittlung notwendig (z. B. fehlender Abschluss, fehlende aktuelle Qualifikation).
- Es besteht eine positive Arbeitsmarktprognose für dein Ziel (Engpassberuf, regionale Nachfrage).
- Maßnahme und Träger sind AZAV-zertifiziert.
- Du nimmst regelmäßig teil und kannst die Maßnahme voraussichtlich erfolgreich abschließen.
Was die Beratungsfachkraft prüft:
- Passt das Zielprofil zu deinem Lebenslauf?
- Gibt es Stellenangebote in deiner Region?
- Ist die Dauer angemessen (z. B. Teilzeit bei Betreuungspflichten)?
- Gibt es Alternativen (kürzere Maßnahmen, betriebliche Qualifizierung)?
So bekommst du die Förderung: Schritt-für-Schritt
- Beratungstermin vereinbaren mit Agentur für Arbeit oder Jobcenter (frühzeitig!).
- Ziel definieren: Welcher Beruf/Kurs? Warum steigert er deine Jobchancen?
- Anbieter recherchieren: AZAV-Nachweis, Kursinhalte, Dauer, Starttermine, Vermittlungsquote.
- Angebote/Kursbeschreibungen sammeln (inkl. Kosten, Nr. der Maßnahme, Träger-ID).
- Argumentation vorbereiten (siehe Checkliste): Arbeitsmarktbezug, Stellenauszüge, Lebenslauf.
- Bewilligung beantragen: Bildungsgutschein oder AVGS im Gespräch anfragen.
- Gutschein einlösen: Beim Träger anmelden; dieser bestätigt Eignung/Platz.
- Start & Teilnahme: Anwesenheit, Nachweise, Kommunikation mit Berater/in.
Checkliste für deinen Termin
- Aktueller Lebenslauf
- Kurslink, Maßnahmennummer, AZAV-Nachweis
- Kostenübersicht (inkl. Prüfungsgebühren, Fahrten, Kinderbetreuung)
- 3–5 Stellenanzeigen aus deiner Region, die das Zielprofil verlangen
- Begründung: Warum diese Weiterbildung? Warum jetzt? Was ist dein Plan B?
- Wenn relevant: Betreuungssituation (Teilzeitbedarf), ärztliche Eignungsnachweise (z. B. Fahrerlaubnis), Sprachstand
Häufig geförderte Formate im Detail
Umschulung (verkürzte Berufsausbildung)
Dauer meist 21–24 Monate, Abschluss z. B. IHK. Ideal, wenn du ohne Berufsabschluss bist oder deinen bisherigen Beruf aus Markt- oder Gesundheitsgründen nicht mehr ausüben kannst.
Teilqualifikationen (TQ) & Externenprüfung
Modulare Bausteine, die schrittweise zum Berufsabschluss führen. Flexibel, auch in Teilzeit möglich – beliebt für Eltern und Quereinsteiger.
Anpassungsqualifizierungen
Kürzere, zielgerichtete Kurse (von wenigen Wochen bis Monaten), z. B. SAP, DATEV, CAD, Projektmanagement (Scrum), ITIL, Sprachen.
Sprach- und Anerkennungslehrgänge
DeuFöV (berufsbezogenes Deutsch) und Anerkennungsprogramme für ausländische Abschlüsse (z. B. Pflege, Gesundheitsfachberufe, IT).
AVGS-Coachings
1:1-Coachings zur Bewerbungsstrategie, Profiling, LinkedIn/XING, Arbeitsmarktanalyse und gezielte Vermittlung.
Kostenübernahme: Was wird bezahlt – und was nicht?
Typisch übernommen:
- Lehrgangs- und Prüfungsgebühren
- Fahrtkosten (ÖPNV oder km-Pauschale) und ggf. Unterkunft
- Kinderbetreuungskosten während der Kurszeiten
- Lehr- und Arbeitsmittel (nach Bewilligung)
- Prüfungsgebühren und externe Zertifikate
Wichtig: Lebensunterhalt (ALG I/Bürgergeld) läuft separat. Kurzfristige Anschaffungen (z. B. Laptop) nur, wenn ausdrücklich bewilligt.
Dauer, Format und Teilnahme
- Vollzeit oder Teilzeit möglich (z. B. bei Kinderbetreuung, Pflege, gesundheitlichen Gründen)
- Präsenz, Hybrid oder E-Learning – wichtig ist die AZAV-Zertifizierung und pädagogische Begleitung
- Nachweise: Anwesenheit, Zwischenberichte, Prüfungen
Sonderfälle und gute Praxis
- 50+: Fokus auf Engpassberufe (Pflege, Logistik), Teilzeitoptionen, gesundheitliche Eignung prüfen
- Alleinerziehende: Teilzeitmaßnahmen, Kinderbetreuungskosten rechtzeitig klären
- Migration/Integration: Sprachstand dokumentieren, DeuFöV und Anerkennungsberatung nutzen
- Gesundheitliche Einschränkungen: Reha-Status/LTA prüfen – zusätzliche Unterstützungsleistungen möglich
Häufige Fragen (FAQ)
Zahlt das Arbeitsamt jede Weiterbildung?
Nein. Gefördert werden arbeitsmarktnahe, AZAV-zertifizierte Maßnahmen, die deine Vermittlungschancen messbar erhöhen. Private Hobbykurse oder nicht zertifizierte Angebote werden in der Regel nicht übernommen.
Kann ich mir den Bildungsträger frei aussuchen?
Ja, wenn er AZAV-zertifiziert ist und zur Zielsetzung passt. Vergleiche Inhalte, Dauer, Vermittlungsquoten und Starttermine.
Wie lange dauert die Bewilligung?
Von wenigen Tagen bis mehrere Wochen – abhängig von Auslastung, Vollständigkeit deiner Unterlagen und Dringlichkeit. Frühzeitig beantragen!
Was tun bei Ablehnung?
Gespräch suchen, Begründung prüfen, Argumentation nachschärfen (Arbeitsmarktbezug belegen), ggf. Alternative (kürzerer Kurs, anderer Träger) vorschlagen. Formell ist ein Widerspruch möglich.
Wird ein Laptop finanziert?
Nur, wenn die Maßnahme es erfordert und die Kosten vorab bewilligt wurden. Ansonsten: Nutzung von Schulungsplätzen oder Leihgeräten.
Kann ich die Maßnahme wechseln?
Ein Wechsel ist nur mit Zustimmung der Agentur/des Jobcenters möglich. Gründe dokumentieren (z. B. Qualitätsmängel, fehlende Passung).
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Ohne Bewilligung starten: Keine Kostenerstattung rückwirkend. Erst bewilligen lassen!
- Unklare Ziele: Definiere Zielberuf, Aufgaben und passende Stellenanzeigen.
- Falscher Anbieter: Prüfe AZAV, Inhalte, Praxisanteile, Prüfungsvorbereitung.
- Unrealistische Dauer: Teilzeit erwägen, wenn nötig. Betreuung/Anfahrt einplanen.
- Schwache Argumentation: Arbeitsmarktbezug mit konkreten Jobangeboten belegen.
Beispiele: Welche Weiterbildungen werden besonders oft bewilligt?
- SAP-Anwender/-Consultant (FI/CO, MM, SD)
- DATEV Lohn & Gehalt / Finanzbuchhaltung
- IT-Support, Administrator, Cloud-Grundlagen
- Webentwicklung, Data Analytics (Einsteiger bis Fortgeschritten)
- Büromanagement, E-Commerce, Online-Marketing
- Führerschein C/CE inkl. BKF-Qualifikation
- Pflegeassistenz, Betreuungskräfte §43b, medizinische Fachkurse
- Sprachkurse B2/C1 berufsbezogen (Pflege, Medizin, Verwaltung)
So argumentierst du überzeugend
- Nachfrage zeigen: 3–5 aktuelle Stellenanzeigen für das Zielprofil aus deiner Region.
- Lücke belegen: Welche Skills fehlen dir aktuell, die der Kurs schließt?
- Erfolgschancen: Vermittlungsquote des Trägers, Praktikum/Netzwerk, IHK-/Zertifikatsabschluss.
- Plausibler Plan: Zeitplan, Betreuung (Kinder), Mobilität (Fahrtweg), gesundheitliche Eignung.
Rechtlicher Rahmen (vereinfacht)
- SGB III (Agentur für Arbeit, ALG I): Förderung beruflicher Weiterbildung, Bildungsgutschein, Qualifizierung von Beschäftigten.
- SGB II (Jobcenter, Bürgergeld): Förderung zur Eingliederung, Bildungsgutschein, AVGS, Boni.
- AZAV: Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung – Voraussetzung für geförderte Träger/Maßnahmen.
Hinweis: Förderdetails und Zuschusshöhen können sich ändern. Verbindliche Auskunft erteilt deine zuständige Agentur für Arbeit bzw. dein Jobcenter.
Fazit: Welche Weiterbildung zahlt das Arbeitsamt?
Gefördert werden Weiterbildungen, die nachweislich deine Jobchancen verbessern – vor allem Umschulungen, abschlussorientierte Qualifizierungen, Anpassungskurse, Sprach-/Anerkennungslehrgänge und AVGS-Coachings. Entscheidend sind AZAV-Zertifizierung, Arbeitsmarktbezug und eine gute Vorbereitung deines Antrags.
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